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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Imperative der Freiheit.

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dauernderen Befriedigung zukommt. Da aber hierin der Imperativder freien Bevorzugung mit den beiden Imperativen des Zwangsübereinstimmt, so verstärken sie sich nun gegenseitig, namentlichin dem Sinne, dass der Yerstoss gegen die Zwangsmotive die Unlust-momente erhöht, welche der Befriedigung hindernd in den Wegtreten. Darum bildet der Zwang ein so wichtiges Erziehungsmittelzur freien Sittlichkeit. Dem Charakter, der die letztere in jenerinstinctiven Form zur Ausbildung gebracht hat, wo das Gute ge-schieht, ohne dass nach dessen Gründen gefragt wird, schreibenwir Rechtschaffenheit zu. Indem der Rechtschaffene das Sitt-liche um seiner selbst willen vollbringt, widersteht er Versuchungen,denen derjenige dem es nur um die Bewahrung des äusseren Anstandeszu thun ist rettungslos unterliegt. Da er sich aber von den letztenZwecken seines Thuns keine Rechenschaft ablegt, so bringt ihn derConflict der Pflichten leicht ins Schwanken und lässt ihn zufälligenAntrieben folgen, wobei das minder Werthvolle den Vorzug ge-winnen kann.

Hier findet nun der Process des Gewissens seinen Abschlussin dem letzten der imperativen Motive, in der Vorstellung dessittlichen Lebensideals. Bei dieser wird ein höchster sittlicherLebenszweck zur Richtschnur aller einzelnen Handlungen. DieserLebenszweck aber wird zum individuellen Motiv, indem ein Einzel-bewusstsein die allgemeinen Zwecke der sittlichen Entwicklung inihren durch Ort und Zeit bestimmten Bedingungen erfasst, um indiesen Zwecken das eigene persönliche Lebensziel zu erblicken. Dasindividuelle und allen Einzelbestimmungen die Richtung gebendeLebensideal kann daher immer nur die besondere Gestaltung sein,die das allgemeine Menschheitsideal bezogen auf bestimmte Schran-ken der Zeit und der äussern Lebensverhältnisse und auf die eigen-thümliche Wirkungssphäre der einzelnen sittlichen Persönlichkeit an-nimmt. Denn jenes allgemeine Ideal ist selbst kein gewordenes undein für allemal gegebenes, sondern ein ewig werdendes, nie zu vollen-dendes. Jedes Zeitbewusstsein fasst es in gewisse Zwecke, Motive undNormen. Der unveräusserliche Werth der letzteren liegt aber nichtin ihrer absoluten, sondern in ihrer relativen Unvergänglich-keit, nämlich darin dass jene ethischen Momente wirklich der all-gemeinen Entwicklung angehören, die sich durch die stetige Ver-vollkommnung der sittlichen Ideen als eine zusammengehörige verräth.Erst diese letzte Stufe ist die der vollbewussten Sittlichkeit.Hier sind dem Gewissen die Imperative des Zwangs gleichgültig