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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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487
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Die Imperative des Zwangs.

c. Die Imperative des Zwangs.

Der äussere Zwang ist das niedrigste dieser imperativenMotive. Er wirkt in der Form der Bestrafung unsittlicher Hand-lungen und der socialen Nachtheile, welche dieselben mit sich führen.Was er zu Stande bringt, bleibt im günstigen Fall die niedersteStufe der Sittlichkeit, Legalität der Handlungen und Sittsamkeit desBenehmens, ein äusserer Schein, der zwar ohne wirkliche Sittlichkeitbestehen kann, immerhin aber durch die Verhütung des sittlich An-stössigen von Werth bleibt. Denjenigen, der den äusseren Zwangso auf sich wirken lässt, dass er zu directen Störungen der sittlichenOrdnung keinen Anlass gibt, nennen wir gut beleumundet. Erverwirklicht die niederste Art des sittlichen Charakters, da ihmnur die negative Eigenschaft zukommt, dass er unsittliche Hand-lungen meidet.

Einen Schritt weiter führt schon das zweite, meist mit demvorigen verbundene imperative Motiv, das des innern Zwangs.Dieser besteht aber in allen den Einflüssen, welche das VorbildAnderer sowie die eigene durch Erziehung und Beispiel bedingteUebung und Gewöhnung des Willens äussern. Wegen seiner Bedeutungfür die sittliche Lebensordnung pflegt man diesen innern wohl auchgeradezu den moralischen Zwang zu nennen, ein Ausdruck der nichtso interpretirt werden darf, als sei der Zwang an sich ein moralischer:wir reden von einem solchen auch in Fällen, wo es sich um sittlichhöchst gleichgültige Dinge handelt, z. B. um gesellige Leistungendie Jemand seiner Stellung schuldet u. dergl. Moralisch heisst derinnere Zwang nicht weil er selbst sittlich ist, sondern weil er nebensonstigen Rücksichten auf Andere auch solche von sittlicher Naturherbeiführt. In dieser Beziehung unterstützt er zunächst den äusserenZwang in seinen negativen Wirkungen. Aber er erhebt sich überden letzteren doch sehr wesentlich, da er bereits den Antrieb zupositiven sittlichen Leistungen in sich trägt. Wohlthätigkeit, gemein-nützige Bestrebungen, Pflichttreue in Beruf und Familie können in sovollkommenen Graden durch den blossen Einfluss von Beispiel undGewohnheit, sowie durch den Wunsch es Anderen gleichzuthunherbeigeführt werden, dass dieser Schein der Tugend von der wirk-lichen Tugend in den gewöhnlichen Lebenslagen nicht zu unter-scheiden ist. Dem Charakter, der unter allen Umständen unter demimperativen Motiv des inneren Zwanges handelt, legen wir das

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