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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
Entstehung
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Die Entstehung imperativer Motive.

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allen andern bloss impulsiven Motiven vorgezogen werden müssen.Selbstverständlich können auch die imperativen Motive mit einanderin Kampf gerathen: ein solcher liegt jenem Gewissensprocess zuGrunde, den man den Conflict der Pflichten nennt. Dagegenbesteht die einfachere und normale Function des Gewissens darin,dass es den Kampf der imperativen und impulsiven Motive miteigenthümlichen Affecten begleitet, die ihrerseits die imperativenMotive verstärken und daher sehr häufig einen Sieg der letzterenauch in solchen Fällen herbeiführen, wo der Gefühlswerth der Motiveselbst hierzu nicht ausreichen würde. Diese Affecte, insofern sie derHandlung vorausgehen oder sie mindestens begleiten müssen, umjene Wirkung herbeizuführen, pflegt man das gesetzgebende unddas antreibende Gewissen zu nennen, und beiden das Gewissennach der That als das richtende gegenüberzustellen. Hier istdie Gewissensfunction allerdings insofern eine wesentlich andere, alsdie nun entstehenden Affecte nicht mehr durch den Kampf der Motive,sondern durch ihr Verhältniss zu dem Erfolg der Handlung erzeugtwerden. Alle diese Momente sind aber unmittelbare Folgen derExistenz imperativer Motive; nicht in ihnen besteht daher das eigent-liche Problem des Gewissens, sondern dieses fasst sich in die Fragezusammen: wie ist die Entstehung imperativer Motiveüberhaupt möglich?

Der Intuitionismus geht von der Annahme aus, dass die Im-perative der Pflicht gar nicht den Charakter von Motiven besässen.Vielmehr sollen sie in rein intellectueilen Geboten bestehen, denenaber gleichwohl die Fähigkeit zugeschrieben wird, auf die impulsivenMotive zu wirken. Zu dieser psychologisch unmöglichen Vorstellungwäre man nun schwerlich gekommen, hätte man nicht einerseits einerein autonome Entstehung von Imperativen für unmöglich gehaltenund anderseits objective Sätze über den Inhalt sittlicher Handlungenin den religiösen und rechtlichen Vorschriften vor Augen gehabt.So gerieth man auf den seltsamen Mittelweg, die Imperative als ob-jective Normen zu betrachten, die aber gleichzeitig durch eine un-mittelbare subjective Erfahrung zum Bewusstsein des Handelndengelangen sollten. Die Behauptung, welche dabei noch jetzt als ent-scheidend ins Feld geführt wird, lautet: Sätze, die den Charakterunbedingter Gültigkeit besitzen, können an sich nicht ausempirischen Motiven, welche immer bedingt sind, hervorgehen.

Nun zeigt aber, abgesehen von der oben berührten Wandelbar-keit der sittlichen Vorstellungen, der Conflict der Pflichten, dass von