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Der sittliche Wille.
liehe aus dem menschlichen Geistesleben heraushebt, um es ihm instarrer Unveränderlichkeit als ein ihm fremdes Gesetz gegenüberzu-stellen, oder diejenige, die es an einem unendlichen Entwicklungs-process des Geistes theilnehmen lässt, der für uns in dem gesammtengeistigen Leben der Menschheit sich spiegelt, von welchem das sitt-liche ein unveräusserlicher Bestandtheil ist?
Doch nicht bloss der objectiven, sondern nicht minder der sub-jectiven Erfahrung, unserer ganzen Kenntniss von der Natur desMenschen widerstreitet jene Lehre von einem den eigenen Geistes-thätigkeiten fremd gegenüberstehenden Gewissen. Wir kennen keinwillkürliches Handeln ohne Gefühle und Triebe, denn diese sind jakein dem Willen fremdes Geschehen, sondern Theile der Willens-thätigkeit seihst, nur durch unsere Abstraction von ihr trennbar.Es ist daher nicht möglich, dass der Mensch durch ein reines, vonallen Gefühlsmotiven befreites Pflichtgebot in seinem Handeln unddemzufolge auch nur in seinen Urtheilen über Handlungen bestimmtwerde. Eine solche Ansicht verwandelt mit dem Gewissen auch denWillen in einen abstract intellectuellen Process, der überhaupt nichtvorkommt, am allerwenigsten aber mit andern thatsächlichen MotivenZusammenwirken nnd Handlungen erzeugen kann. Wie der Willenur in Verbindung mit gefühlsstarken Vorstellungen Wirklichkeitbesitzt, so kann auch das Gewissen nichts von den Motiven desWillens Verschiedenes sein, sondern es kann nur auf dem Verhält-niss verschiedener Motive zu einander beruhen. Hier bietetnun aber allerdings das Gebiet des sittlichen Handelns eine Eigen-tümlichkeit dar, die mit dem Grundcharakter des Sittlichen unmittel-bar zusammenhängt, und in der es sich nur noch mit solchen Gebietenberührt, in denen ebenfalls der Begriff der Norm zur Ausbildunggelangt ist, wovon dann der eben erwähnte weitere Sinn des Aus-drucks Gewissen herstammt. Diese Eigentümlichkeit besteht in derAusbildung imperativer Motive.
b. Die Entstehung imperativer Motive.
Alle Motive sind impulsiv: jedes für sich allein würde alsunwiderstehlicher Trieb wirken, mehrere zusammen bilden daherTriebkräfte, die gegen einander wirkend das Wollen so bestimmen,dass es den vorherrschenden Motiven folgt. Die imperativenMotive sind gleichfalls impulsiv, aber es kommt dazu noch eineweitere Eigenschaft: sie verbinden sich mit der Vorstellung, dass sie