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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die geistige und die mechanische Causalität.

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eine Handlung willkürlich ist oder nicht, inwieweit der Wille durchverschiedene Motive oder nur durch eines sollicitirt wurde u. s. w.,kurz: es würde uns von der gesammten Willenscausalität nur der-jenige Theil vorliegen, der sich auf jene mit den Willensactionenverbundenen Vorstellungen bezieht, denen wir ein constantes objec-tives Substrat zuschreiben. So bleibt hier die psychologischeDetermination die einzige, die bei der Beurtheilung der Willens-handlungen in Frage kommt, denn sie ist diejenige, durch die überhaupterst der Wille zum Willen wird. Diese psychologische Causalität desWillens läuft nun freilich, wie jede Subsumtion unter Bedingungen,mag sie nun auf die Seite der inneren oder der äusseren Ursachenfallen, ebenfalls in eine unendliche Reihe aus. Dennoch gehörtgerade der Wille zu den Formen individueller geistiger Causalität,die wir in verhältnissmässig weitem Umfange zu überblicken ver-mögen. Nicht bloss die unmittelbaren Ursachen sind uns bei ihm alsMotive gegeben, sondern wir leiten auch die Entstehung und dieverschiedene Wirksamkeit der Motive wieder aus vorangegangenenBedingungen der individuellen und bis zu einem gewissen Grade so-gar der generellen geistigen Entwicklung ab. So nehmen wir Allein unserer Beurtheilung des Willens den deterministischenStandpunkt ein, freilich nicht im Sinne jener falschen Uebertragungdes naturalistischen Causalbegriffs auf den Willen, dass wir uns an-heischig machen die Willenshandlung aus ihren Bedingungen voraus-zubestimmen, wohl aber im Sinne des überall gültigen Charaktersgeistiger Causalität, wonach wir ein getretene Ereignisse ausihren Ursachen erklären. Ohne diesen psychologischen Determinis-mus ist keine Psychologie und keine Geisteswissenschaft überhauptmöglich. Ihn aufgeben hiesse gegen das Vernunftgesetz verstossen,nach welchem wir überall zu dem Bedingten die Bedingung zusuchen, die gefundene Bedingung aber immer wieder als ein Be-dingtes zu betrachten haben.

Doch wenn selbst der Indeterminismus mit den psychologischenund logischen Anforderungen in Einklang zu bringen wäre, so würdeer immer noch aus ethischen und religiösen Gründen verwerf-lich sein. In der That, nur der engherzige Egoismus einer Zeit,der die sittliche Weltordnung zu einer nützlichen Einrichtung für dasIndividuum, die Religion zu einer Anweisung auf eigene künftigeGlückseligkeit geworden war, konnte dazu kommen in dem Glaubenan eine absolute Causalitätslosigkeit des Einzelwillens das Heil vonSittlichkeit und Religion zu erblicken.