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Der sittliche Wille.
Seite dem mechanischen Causalnexus unterzuordnen. Hierbei kannes sich nun selbstverständlich ereignen, dass bald die physiologischebald die psychologische Auffassung die zugänglichere ist, und dassdaher gelegentlich die Psychologie auf eine physiologische, also inletzter Instanz mechanische, oder umgekehrt die Physiologie auf einepsychologische Causalerklärung sich stützen muss. So besitzen wirAnhaltspunkte, die es uns ermöglichen, die gewöhnlichen Vorstel-lungsassociationen aus physiologischen Bedingungen der Gehirn-mechanik zwar noch keineswegs vollständig abzuleiten, doch immerhineinigermassen begreiflich zu machen*). Ebenso kann es geschehen,dass uns für gewisse physiologische Thatsachen Spuren einer psy-chologischen Causalität zugänglich sind, während an Stelle dermechanischen Erklärung nur eine regulative Idee, nämlich die einerletzten Entstehung aller körperlichen Effecte aus mechanischen Be-dingungen übrig bleibt. So ist die objective Zweckmässigkeit derorganischen Natur zum Theil verständlich unter der Voraussetzung,dass die organischen Formen, wie wir es bei den Thieren unmittelbarbeobachten, durch Willenshandlungen der lebenden Wesen selbst inihrer Entwicklung bestimmt werden; dagegen wird die Ableitungaus mechanischer Causalität für die meisten dieser Formgestaltungen,namentlich für diejenigen der höheren Thierwelt, voraussichtlichimmer nur innerhalb beschränkter Grenzen möglich sein**).
Betrachten wir nun von diesen Gesichtspunkten aus die Wil-lenshandlungen, so kann kein Zweifel sein, auf welcher Seitehier die empirische Causalerklärung zu suchen ist. Insoweit beiihnen materielle Vorgänge, Nervenerregungen und Muskelactionen,in Frage kommen, wird selbstverständlich das Postulat einer Ein-ordnung in den allgemeinen Zusammenhang mechanischer Causalitätbestehen bleiben. Anders als in der Form einer regulativen Ideewird aber dieses Postulat niemals in Frage kommen, da, sobald wirüber die nächsten Vorbedingungen der äusseren Bewegungsvorgängehinausgehen, die mechanische Causalität der Körperbewegungen sichin dem unendlichen Regressus der gesammten Entstehungsgeschichtelebender Wesen verliert. Wäre aber selbst dieser Regressus aus-führbar, so würde uns damit immer nur eine Summe mechanischerActionen gegeben sein, welcher es völlig an jenem Zusammenhangfehlte, der es uns überhaupt erst möglich macht zu entscheiden, ob
*) Vgl. meine Grundzüge der physiologischen Psychologie, II 3 , S. 381.
**) Vgl. hierzu Logik, I, S. 580, II, S. 439 ff., und System der Philos., S. 499 ff.