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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Causalität des Willens.

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möglich ist. Naturereignisse können wir unter günstigen Umständenmit Gewissheit Voraussagen. Bei geistigen Ereignissen vermögen wirhöchstens die allgemeine Richtung zu bestimmen, in der sie erfolgen,nie die besondere Gestaltung, die sie annehmen werden. Es gibt einegeistige Geschichte der Vergangenheit, keine der Zukunft, und nochjeder geschichtsphilosophische Versuch, der sich vermass kommendeEreignisse vorauszusagen, ist auf bodenlose Abwege gerathen. Denndie Fiction der Laplace’schen Weltformel ist nicht bloss deshalbauf das geistige Geschehen unübertragbar, weil ihre Aufstellung hieran der unabsehbaren Complication der Ereignisse scheitert, sondernweil sie an und für sich mit den Gesetzen des geistigen Geschehensim Widerspruch steht.

c. Determinismus und Indeterminismus.

Die gewöhnliche Auffassung verwechselt nun diese Unmöglich-keit Ereignisse vorauszusehen mit der Verursachung der Ereignisse.Weil Niemand vorauszusehen vermag, wie die geistige Causalität imeinzelnen Fall sich gestalten werde, deshalb soll diese Causalität über-haupt nicht vorhanden sein. Da nun aber in jener falschen Sub-stitution des naturalistischen Causalbegriffs der vulgäre Determinismusund Indeterminismus vollkommen einig sind, so kann man sich nichtwundern, wenn diese Standpunkte auch im Endresultat einandernäher kommen, als ihnen selber bewusst ist. Indem nämlich dergewöhnliche Determinismus die ganze Beweislast der Unverbrüch-lichkeit der Naturcausalität zuwälzt, betrachtet er als die entfernterenUrsachen des Willens die physischen Gehirnprocesse, die in ihrerAbhängigkeit von dem allgemeinen Naturlauf vollständig determinirtseien; unter diesen Gehirnprocessen ist ihm dann der letzte alleinmit einer innerlich wahrnehmbaren Bewusstseinsthätigkeit verbunden:motorischer Reiz und Willensimpuls fallen hier zusammen. Auf psycho-logischem Wege wird also die Willenscausalität nicht weiter zurück-verfolgt, sondern hier erscheint jeder Willensact als causa sui. Soist der physiologische Determinist zugleich psychologischer Inde-terminist. Auf der andern Seite ist der gewöhnliche Indeterminismus,in dem Bestreben den Forderungen der Naturcausalität gerecht zuwerden, meistens gerne bereit mit Kant eine doppelte Beurtheilungs-weise der äussern Willenshandlungen zuzulassen: als physische Processesollen sie der allgemeinen Naturcausalität unterzuordnen, als innereWillensacte sollen sie von jeder Causalität frei oder nur durch denWundt, Ethik. 2. Aufl. 30