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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der sittliche Wille.

Kaut, der in dieser Frage immer noch den grössten Einfluss aus-übt, den fundamentalen Unterschied des geistigen und des natura-listischen Causalbegriffs völlig verkannte, da er Causalität überhauptund mechanische Causalität in synonymem Sinne gebrauchte. Nunempfängt aber der Causalbegriff in seiner Anwendung auf die Naturdurch den für die Auffassung der letzteren massgebenden Begriff derMaterie ein specifisches Gepräge, das seiner allgemeinen logischenBedeutung fremd ist. Das an jenen Begriff innig geknüpfte Principder Constanz führt nämlich gewisse Gesetze mit sich, die alleCausalität der Natur beherrschen, so dass sie hier geradezu alsCorollarsätze des Causalgesetzes betrachtet werden können. Hierhergehören jene Erhaltungsgesetze, in denen das Princip der Constanzder Materie zur Wirksamkeit in den Naturvorgängen gelangt, allenvoran das Princip der Aequivalenz von Ursache und Wirkung.

Nun verliert der materielle Substanzbegriff, der unserer Er-kenntniss der Natur Vorgänge als Hülfsmittel dient, für die Auffassungder Erkenntniss- und Willensthätigkeiten selbst jede Bedeutung. Willman aber die Begriffe von Energie und Kraft auf das geistige Gebietübertragen, so kann hier, zufolge den Erfahrungen die schon jedeindividuelle geistige Entwicklung uns darbietet, nur ein im vollenGegensätze zum Aequivalenzprincip stehender Grundsatz gültig sein.In seiner'Anwendung auf den Willen kann ein solches Principwachsender geistiger Energie keine andere Bedeutung habenals die, dass die Effecte der Willenshandlungen zwar stets durchbestimmte psychische Ursachen determinirt, dass sie aber in diesenUrsachen selbst nicht schon enthalten sind. In der That ist dasauch überall der Standpunkt der Beurtheilung, den wir irgend welchenWillenserfolgen gegenüber einnehmen, und der nirgends klarer zurGeltung kommt als bei den vollkommeneren geistigen Schöpfungen.Niemand wird anstehen ein poetisches Werk aus den Bedingungenzu erklären, unter denen der Dichter lebt, denkt und sich entwickelthat. Niemand aber wird die absurde Meinung verfechten, dass hierdas letzte Ergebniss geistiger Thätigkeit zu jenen Bedingungen imselben Verhältniss quantitativer Aequivalenz stehe, wie etwa die voneiner fallenden Kugel hervorgebrachte Wirkung der zu ihrer Er-hebung aufgewandten Arbeit äquivalent ist.

Eine unmittelbare Folge dieses Verhältnisses ist es, dassauf geistigem Gebiet eine einigermassen zureichende Causalerklärungimmer nur in rückläufiger Richtung, d. h. in Bezug auf diebereits abgelaufenen Causalreihen, nie aber in vorwärtsgehender