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Der sittliche Wille.
intelligibeln, der Causalitätskategorie nicht unterworfenen Charakterbestimmt sein. Wo ist hier noch ein Unterschied, ausser etwa darin,dass man dort auf die physiologische, hier auf die psychologischeSeite das grössere Gewicht legt? In der That, es scheint überflüssigdass sich diese Gegner ereifern; sie könnten sich versöhnt die Händereichen. In der falschen naturalistischen Verengerung des Causal-begriffs und in der Aufhebung der psychologischen Willenscausalitätsind sie vollkommon einig. So ist denn auch das Endergebniss einübereinstimmendes: es besteht in dem Verzicht auf jede wissenschaft-liche Erklärung. Denn die Phantasien des physiologischen Determinis-mus von einer schliesslich aus dem allgemeinen Naturlauf abzuleiten-den Mechanik der Hirnmolecüle wird man im Ernst für eine solcheErklärung nicht nehmen wollen. Statt den leicht zu ebnenden Wegder psychologischen Untersuchung einzuschlagen, begnügt man sichmit der Anweisung auf eine imaginäre Wissenschaft der Zukunft,die ihrer Natur nach nie zur Wirklichkeit werden kann. Denn manirrt, wenn man glaubt, die Idee des Unendlichen komme immer erstbei der directen Frage nach den letzten Grenzen von Raum, Zeit undCausalität im Universum zur Geltung. Sie spielt in jedem einzelnenFall ihre Rolle, wo der Naturlauf ein Geschehen darbietet, in welchemsich unmittelbar Bedingungen verdichtet haben, deren gesonderteAuffassung nur möglich wäre, wenn wir eine Einsicht in den ge-sammten unendlichen Naturlauf besässen. Die Mechanik des mensch-lichen Gehirns nach dem Vorbilde eines einfachen astronomischenProblems behandeln zu wollen, ist daher ein Unterfangen, das un-gefähr die nämliche Aussicht auf Verwirklichung hat wie der Plan,das Gewicht sämmtlicher Weltkörper zu ermitteln oder den Schwer-punkt des Universums zu bestimmen. Um so phantastischer ist derVerzicht auf die psychologische Untersuchung der Willenserschei-nungen zu Gunsten einer solchen im Unendlichen schwebenden Natur-causalität, als man damit die nächste Gelegenheit, über die Be-dingungen des organischen Lebens Aufschluss zu gewinnen, zu Gunsteneiner illusorischen Hoffnung verabsäumt. Denn es ist unzweifelhaft,dass gerade die unter dem unmittelbaren Einfluss bestimmter psychi-scher Motive stehenden Trieb- und Willkürhandlungen bei der Ent-wicklung der Lebensformen von der grössten Bedeutung sind*).
Hier erhebt sich nun aber eine metaphysische Schwierigkeit,an der wir, um kein Dunkel bestehen zu lassen, nicht vorübergehen
j Vgl. hierzu meine Logik, II, S. 449, 471.