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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
Entstehung
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Der sittliche Wille.

Anschauung begrifflicher Urbilder erklären können, sollten wir aufsolche Umwandlungen eigener Gledankenerzeugnisse in Dinge Verzichtleisten. Zur Zeit Platos mag es, um die Selbständigkeit des Geistigenzu sichern, dienlich gewesen sein, es in eine Art materieller Sub-stanz umzuwandeln; für uns kann auf diesem Wege höchstens jeneSelbständigkeit wieder verloren gehen.

Besteht die actuelle Seele lediglich in der Bewusstseinsthätig-keit selbst, so ergibt sich ohne weiteres, dass sie in diesem ihremactuellen Sein zwar individuelle Eigenthümlichkeiten besitzt, aber inihren wesentlichsten Bestimmungen doch über die Grenzen des indi-viduellen Bewusstseins hinausreicht. Unsere Vorstellungen mit dendaran gebundenen Gefühlen, die Triebe, die unsere Bewegungen be-herrschen, und von denen die Erfüllung der nothwendigsten Lebens-bedürfnisse abhängt, sind uns in gewissen allgemeinsten Zügen mitallen unsern Mitmenschen, in zahlreichen näheren Bestimmungen aberausserdem noch mit den uns Nächststehenden, mit denen uns Ab-stammung, Sprache, Sitte und historische Ueberlieferungen verbinden,gemeinsam. Erst durch die activen Bethätigungen des Willens scheidetsich überhaupt die einzelne Persönlichkeit von der Gemeinschaft, dersie angehört. Die willkürliche Bewegung, die active Apperceptionund ihr Einfluss auf die Vorstellungen sind die Hauptmotive diesermit der Entstehung des Selbstbewusstseins Hand in Hand gehendenScheidung. Aus einer gemeinsamen Grundlage geistiger Bethätigungenbildet sich so eine immer grösser werdende Selbständigkeit derindividuellen Persönlichkeit und ein dieser angehöriger specifiseherGedankenkreis, der fast mehr eine besondere Richtung darstellt, inder ein gemeinsamer geistiger Besitz angeeignet und verwerthet wird,als dass er selbst ein völlig getrennter Besitz wäre. Wenn durchdie Entwicklung der selbstbewussten Persönlichkeit das Individuumallmählich sich löst von der Gemeinschaft der es zunächst angehört,so kehrt es auf einer höheren Stufe des Selbstwusstseins nur reicheran geistigem Inhalt zu dieser Grundlage zurück, indem es mit Be-wusstsein die Stelle erfasst, die ihm in der Gemeinschaft zukommt,und indem es durch Cultur und Geschichte Gedankenkreise sich an-eignet, die ihm ursprünglich fremd waren. Der nämliche Processaber, der hier in dem zum Abschluss persönlicher Selbstbewusstheitgelangten Einzelleben sich abspielt, wiederholt sich in der Entwick-lung des geistigen Lebens der Menschheit in unendlich um-fassenderem Masse, wie uns die Gegensätze der in der Gegenwartsich vorbereitenden Lebensanschauungen zu denen vorangegangener