Der ethische Atomismus und die psychologische Substanztheorie. 457
seine metaphysisch allein haltbare Form zu geben. Der Erfolgwar, dass das geistige Gesammtleben der Menschheit für seineMetaphysik ein heterogener Gedanke wurde, und die Beziehungen zurEthik völlig aus ihr verschwanden. Damit hatte diese Metaphysiksich das Urtheil gesprochen. Denn wenn Metaphysik überhaupteinen Zweck haben soll, so ist es sicherlich der, die von der Er-fahrung aufgegebenen aber mit ihrer Hülfe nur unvollständig zuerledigenden Probleme in einer zusammenhängenden Weltanschauungzu lösen. Und welches Erfahrungsgebiet enthielte solcher Problememehr und dringlichere als die Ethik? Die Dienste, welche dieMetaphysik der Psychologie und Naturphilosophie leisten kann, sindallenfalls durch die Hypothesen zu ersetzen, zu denen diese empi-rischen Disciplinen durch ihr eigenes Bedürfniss gedrängt werden;die Ethik aber kann zu ihrem Abschlüsse einer metaphysischen Ge-
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eigenen Voraussetzungen verwickeln, das ergibt sich nun aus der-jenigen Auffassung, welche die Wirklichkeit des Geistes in dasactuelle geistigeLeben selbst verlegt, als unmittelbare ethischeFolgerung*). Wie die einzelnen seelischen Thätigkeiten, Vorstellen,Fühlen, Wollen, nur durch unsere Abstraction getrennt werden können,an sich selbst aber untheilbare Elemente des geistigen Lebens sind,so ist auch die Unterscheidung einer von dem Bewusstseinsinhaltverschiedenen Seele nur die Umwandlung des leeren Begriffs derVereinigung und des stetigen Zusammenhangs der geistigen Thätig-keiten in ein reales Substrat. Dieses letztere ist in der That genauebenso wenig ein selbständig in irgend einer Erfahrung gegebenesoder durch dieselbe gefordertes Ding, wie Vorstellung, Wille, Gefühl
das abstracte Denken zur Zeit Platos befand, zu gute halten, wenndieser Begriffe wie Mensch, Thier u. dergl. substantialisirte. Heute,wo wir uns die Entstehung solcher Begriffe auch ohne die
*) Ueber das Yerhältniss der Substantialitäts- und Actualitätstheorie vgl.meine Logik. II, S. 502 ff., und mein System der Philosophie, S. 311 ff.
sammtauffassung des menschlichen Geisteslebens nicht entbehren
e. Individualwille und Gesammtwille im Lichte d|b'g^\ :i
selbständige Dinge sind. Wir mögen es der Stufe, auf der sich