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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der sittliche Wille.

Reaction gegen diese zersplitternde Auffassung ist Spinozas Philo-sophie. Aber zu tief gewurzelt ist auch bei ihm der Drang nachgeistiger Freiheit des Einzelnen. Die individuelle Freiheit, die jedenüber das nothwendigste Schutzbedürfniss hinausgehenden politischenEinfluss als Zwang zurückweist, verbindet sich ihm unmittelbar undohne vermittelnde Zwischenstufen mit dem Bewusstsein der Einheitdes Einzeldaseins mit dem Unendlichen. Unter allen Folgendenkommt Leibniz mit seinem auch hier den Horizont seiner Zeit über-ragenden Blick der Grenze individualistischer Ethik am nächsten.Ganz in diesem Sinne ist seine geniale Reform des metaphysischenAtomismus angelegt. Sein Priucip der Harmonie strahlt als einhelles Licht universeller geistiger Einheit in die dem äusserlichenDualismus ergebene, alles Dasein in mechanische Masse und wider-willig an sie gebannte Geister zerlegende Weltanschauung seiner-zeit. Aber den Individualismus vermag er gleichwohl nicht zuüberwinden. Nachdem er in der universellen Harmonie aufgehobenscheint, kommt er nur um so mehr in der absoluten Einfachheit undAbgeschlossenheit der einzelnen geistigen Substanzen zum Ausdruck.In dem Princip der Harmonie und dem Begriff der Monade kämpfenzwei an sich unvereinbare Vorstellungen mit einander. Sucht mansie gleichwohl zu verbinden, so wird die erste durch die zweite anihrer Entfaltung gehindert. Bei Leibniz wie in manchen Erneuer-ungen seiner Gedanken aus jüngster Zeit bleibt es daher bei derallgemeinen Idee einer Wechselbeziehung geistiger Einheiten, diefür diese selbst eine äusserliche ist und nicht aus dem Wesen desGeistes, sondern nur aus einer demselben fremden gesetzgebendenMacht erklärt werden kann. Der Gesammtwille hat keine selbständigeExistenz, sondern er ist ein an die Einzelwillen von aussen heran-tretendes Gesetz, mag dieses nun unmittelbar als göttliches Sitten-gebot oder als eine äusserliche Verbindung der substantiellen Ein-heiten betrachtet werden. Der Intuitionismus Descartes’ und derenglischen Intellectualisten und das Leibniz’sche System der Har-monie sind nur verschiedene Formen, in denen sich der Wunschbethätigt, den theoretisch eingeführten geistigen Atomismus zu er-mässigen. Aber diese Nothliülfe bringt die Metaphysiker mit sichselber in Widerstreit, ohne doch dem ethischen Bedürfnisse wahr-haft zu genügen.

Herbart muss es nachgerühmt werden, dass er in strengerFolgerichtigkeit alle diese dem monadologischen Gedanken fremdenVorstellungen rücksichtslos beseitigt hat, um dem Seelenatomismus