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Der sittliche Wille.
Ethiker zu Gunsten ihrer Theorien ersonnen haben, ist in der Be-obachtung schlechterdings nichts nachzuweisen. Nur das Eine scheintnach ihr zweifellos, dass die Reaction des Willens hier wie dorteine gleich unmittelbare ist. Uebertragungen und Reflexionen folgenallenfalls der Handlung, aber sie gehen ihr nicht voraus, und wodies der Fall sein sollte, da sind sie vielleicht mehr geeignet denWillen zu lähmen als ihn zu erwecken.
Will man mit den Ausdrücken Sympathie oder Mitgefühlbloss andeuten, dass der AfEect, der durch den Anblick fremdenLeids entsteht, selbst ein Unlustaffect sei, welcher in seiner Inten-sität und Qualität einigermassen nach dem verursachenden Eindrucksich richte, so ist dagegen nichts einzuwenden. Sollen aber dieseBezeichnungen sagen, dass das ursprüngliche Leid und das Mitleidqualitativ übereinstimmen, so ist das offenbar unrichtig. Nichtskann verschiedener sein als die Angst des Ertrinkenden und diemuthige Entschlossenheit seines Erretters, nichts verschiedener alsder Hunger und die Sorge des brodlosen Arbeiters und die Huma-nität des Menschenfreundes, der seinem Elend abhelfen möchte.Existirte wirklich eine solche Verwandtschaft zwischen dem ursprüng-lichen Leid und dem Mitleid, so würde das letztere eben dadurchalle die Eigenschaften einbüssen, die es geeignet machen ein Motivwerkthätiger Hülfe zu sein. Wohl aber ist es eine ursprünglicheEigenschaft des menschlichen Gemüths, dass die Erlebnisse Andererihm nicht gleichgültig bleiben, sondern dass sie an seinem Vorstel-lungs- und Gefühlsinhalt ebenso gut theilnehmen wie das Selbst-erlebte. Bildet doch die Umgebung einen unveräusserlichen Bestand-theil des eigenen Bewusstseins, in welchem jeder Vorstellung ihreigenthümlieher Gefühlswerth zukommt. Damit ist von selbst denaltruistischen Gefühlen die gleiche Ursprünglichkeit mit den egoist-ischen eingeräumt; aber es ist auch ihre specifische Eigenthümlichkeitgewahrt, die jeden Versuch die einen aus den andern abzuleitentrügerisch macht. So wenig wir — ausser etwa im Traum und inder Geistesstörung — uns selbst für einen Andern halten, ebensowenig ist eine ursprüngliche Identität der Gefühle die sich auf unsund derer die sich auf unsere Nebenmenschen beziehen möglich.Nur so wird es auch begreiflich, dass der Conflict egoistischer undaltruistischer Triebe nicht nur eine der häufigsten Formen des Streitsder Willensmotive ist, sondern dass auch in diesem Streit erfahrungs-gemäss bald die einen bald die andern den Sieg davontragen. Wäredas Mitgefühl bloss ein übertragenes Selbstgefühl, so würde keine