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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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441
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Die Willensentwicklung: heterogenetische u. autogenet. Willenstheorie. 441

d. Die Willensentwicklung: heterogenetische und autogenetische

Willenstheorie.

Diese Unterscheidungen gewinnen ihre grosse Bedeutung fürdie Beurtheilung der Willenshandlungen hauptsächlich durch dieBeziehung, in der sie zur Entwicklung des Willens stehen.In der Auffassung dieses Problems sind zwei Anschauungen zurGeltung gelangt, die absolut entgegengesetzte Standpunkte vertreten:die eine wollen wir als die heterogenetische, die andere alsdie autogenetische Willenstheorie bezeichnen. Die erste be-trachtet den Willen als eine im Bewusstsein aus andern Elementendesselben, insbesondere aus Vorstellungen entstandene Function. Diezweite betrachtet ihn als eine mit dem Bewusstsein gegebene ur-sprüngliche Eigenschaft desselben. Obgleich wir oben bereits dieUntrennbarkeit des Bewusstseins von seinen Functionen und derletzteren von einander, insoweit es sich um eine Analyse der un-mittelbaren inneren Wahrnehmung handelt, betonten, so bleibt damitdoch nicht ganz die Annahme ausgeschlossen, dass gewisse Seiten,die jetzt für uns integrirende Bestandtheile des inneren Lebens ge-worden sind, dies nicht immer waren, dass also Elemente, die unsereAbstraction an dem entwickelten Bewusstsein unterscheidet, ursprüng-lich demselben fehlten. Aber die heterogenetische Willenstheorievermag gerade das nicht zu erklären, worauf es bei ihr ankommt,nämlich die Entstehung des Willens aus andersartigen psychischenVorgängen. Bei ihrem Versuch dies zu leisten bewegt sie sich voll-ständig im Cirkel, sie setzt voraus was sie erklären sollte: dasBewusstsein soll entdecken, dass gewisse Bewegungen zweck-mässig sind zur Erreichung bestimmter Effecte, und demzufolgesoll es ursprünglich unwillkürliche Bewegungen allmählich mitWillen hervor bringen. Aber ohne dass der Wille schon da ist,und ohne dass dem Bewusstsein die Wirkung des Willens aufdie Bewegung gegenwärtig ist, bleibt eine derartige Verwen-dung willenloser reflectorischer und automatischer Bewegungenunmöglich; das Bewusstsein würde denselben fortan ebenso passivzuschauen wie irgend welchen äusseren Vorgängen. Zudem ist dieZweckmässigkeit unwillkürlicher, rein mechanischer Bewegungen,welche hier als Bedingung für die Entwicklung zweckmässigerWillenshandlungen angesehen wird, umgekehrt selbst erst daraus zuerklären, dass solche Bewegungen aus Handlungen, die Zweckmotivevoraussetzen, also aus Willenshandlungen hervorgehen, und dieser