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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der sittliche Wille.

Reihenfolge der Vorgänge entspricht es, wenn wir bei den niederstenthierischen Wesen unverkennbare Willenshandlungen beobachten, ehenoch Reflexe von deutlich zweckmässigem Charakter ausgebildet sind*).

Auch die autogene tische Willenstheorie setzt für die com-plexen willkürlichen Thätigkeiten eine Entwicklung voraus. Abersie nimmt an, dass bei dieser das Verwickelte aus einfachen Ele-menten von gleichartiger Beschaffenheit hervorgehe. Insbesonderekommen hierbei zwei Momente in Betracht, welche die hetero-genetische Theorie mehr oder weniger ganz zu übersehen pflegt.Das erste ist die Thatsache, dass jeder äusseren Willenshandlungeine innere vorausgehen muss, und dass überhaupt jede mit demMerkmal eigener Thätigkeit verbundene, d. h. unmittelbar aus Ge-fühlsmotiven entsprungene Veränderung des Bewusstseins die wesent-lichen Merkmale der Willensthätigkeit an sich trägt. Zweitens er-kennt die heterogenetische Theorie auch unter den äusseren vonGefühlsmotiven begleiteten Handlungen wieder nur die complexeren,bei denen eine Mehrheit von Motiven im Bewusstsein wahrnehm-bar ist, als eigentliche Willenshandlungen an, während doch dienaturgemässen Vorstufen complexer Handlungen einfache bilden,bei denen jeder Wettstreit von Motiven hinwegfällt, weil ein ein-ziges allein vorhandenes Motiv unmittelbar die Handlung nachsich zieht.

Wir bezeichnen mit Leibniz jede innere mit dem Merkmal derSpontaneität verbundene Thätigkeit als App er cept io n. Jene äus-seren Willenshandlungen aber, die unter der unmittelbaren Wirkungeines einzigen allein vorhandenen Motives erfolgen, nennen wirTriebhandlungen. Die gewöhnliche Willenstheorie hat also dieErklärung der Willensthätigkeiten unvollständig gelassen, indem sieerstens das Wesen der Apperception als einer inneren Willens-handlung verkannte, und indem sie zweitens nicht beachtete, dassdie Triebhandlungen durchaus den Charakter einfacher Willens-handlungen besitzen. Beide Momente sind für die Auffassung derMotive, Zwecke und Effecte des Willens von grosser Bedeutung.

e. Die Formen der Willensthätigkeit.

Schon die praktische Beurtheilung des Willens begnügt sichnicht damit die äusserlicli sichtbaren Willenseffecte vor ihr Forum

) Vgl. Philos. Studien I, S. 337 ff., VI, S. 382 ff.