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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die Auffassung des Willens.

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sitzen, und wir stellen solchen activen Vorgängen alle andern alspassive Erlebnisse gegenüber*).

Bewusstsein und Wille sind, soweit wir beide aus innerer Wahr-nehmung kennen und aus äusserer auf sie zu schliessen vermögen,untrennbar an einander gebunden. Der Wille aber ist nicht blosseine Function, die gelegentlich dem Bewusstsein zukommt und zu-weilen ihm fehlt, sondern er ist eine integrirende Eigenschaft des-selben. Demgemäss nimmt an der Entwicklung des Bewusstseinsauch der Wille Theil oder, wie vielleicht besser gesagt würde, jeneEntwicklung ist zu ihrem wesentlichsten Theile Willensentwick-lung. Der wachsende Reichtkum innerer Erlebnisse spiegelt sichdaher vor allem in den Formen der Willensthätigkeit. Durch jenengewinnt der Wille eine immer grössere innere Mannigfaltigkeit.Willensregungen verschiedener Art laufen neben einander her unddurchkreuzen sich, und die wirkliche Willenshandlung wird so zueinem immer complexeren Erzeugniss elementarer Processe von ähn-licher Art. Frühere Eindrücke, die in der Form der Vorstellungkaum merklich das Bewusstsein berühren, können auf die Willensactenamentlich in Verbindung mit andern unmittelbar gegenwärtigenElementen immer noch einen Einfluss ausüben. Alle jene nicht zuactueller Wirksamkeit gelangenden Willensregungen, die der einzelnenHandlung vorausgehen und sie begleiten, bleiben im Stadium desGefühls. Da nun aber auch diejenigen Regungen, welche in eineactive Veränderung des Bewusstseins übergehen, ehe sie zu diesemErfolg führen als Gefühle bemerkbar sind, so betrachten wir all-gemein die Gefühle als die nächsten Bedingungen der Willens-thätigkeit: sie gelten uns, insofern sie die Willenshandlung ihrerallgemeinen Qualität und Richtung nach anticipiren, als die un-mittelbaren Motive des Wollens. Alle sonstigen inneren Zuständekönnen auf dieses nur wirken, indem sie zunächst in Gefühlsmotiveübergehen; sie können mittelbare, nicht unmittelbare Motive desWollens werden. Dagegen ist jedes Gefühl ein unmittelbaresWillensmotiv: in jedem Lustgefühl verräth sich ein Streben nachdem lusterregenden Objecte, in jedem Unlustgefühl ein Widerstrebengegen dasselbe, und dieses Streben oder Widerstreben wird Willens-thätigkeit, sobald nicht andere Gefühlsmotive diesen Regungen hemmendbegegnen. Bei manchen Gefühlen, wie den intellectuellen und ästhe-

*) Vgl. hierzu meine Grundzüge der physiologischen Psychologie, 3. Aufl.,II, S. 225, 463 ff., Essays, S. 199 ff., 286 ff., und Philos. Studien, VI, S. 373 ff.