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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der sittliche Wille.

wie es Kant verlangte, zur That entschloss er blieb immer dernämliche Wille, die reine zur realen Macht verkörperte Abstractiondes Thuns.

Entschliessen wir uns, ohne Rücksicht auf überkommene Vor-urtheile, die Thatsachen so aufzufassen, wie sie unabhängig von jederSubsumtion unter gegebene Begriffe sich darstellen, so zerfliessendiese Gestalten einer die Ahstractionen des eigenen Denkens be-lebenden Einbildungskraft. Sie verwandeln sich in das was sie mitRecht zu sein beanspruchen können: in mehr oder minder zweck-mässig gewählte Gesichtspunkte, von denen aus wir die Ereignissedes inneren Geschehens betrachten können, oder auch, wenn manwill, in verschiedene Seiten, welche dieses Geschehen unserer Be-trachtung darbietet. Jedes Wollen setzt ein individuell gefärbtesGefühl voraus, mit dem es so innig zusammenhängt, dass es vonihm getrennt gar keine Realität besitzt, und mit dem es daher durch-aus jene concrete Bestimmtheit theilt, die streng genommen jedeneinzelnen Act unseres Seelenlebens von jedem andern verschiedenmacht. Umgekehrt aber setzt alles Fühlen ein Wollen voraus: dieQualität des Gefühls deutet die Richtung an, in welcher der Willedurch die Tliatsache, an die sich das Gefühl knüpft, erregt wird.Von einem Streben oder Begehren reden wir, wenn der Uebergangdes Wollens in eine Willenshandlung durch irgend welche innereWiderstände, z. B. durch entgegengesetzte Willensregungen, gehemmtwird: das Wollen wird daher zum Begehren, wenn solche Wider-stände entstehen, das Begehren zum Wollen, wenn sie verschwinden.So sind diese Grenzen zunächst nur begriffliche, um die sich derlebendige Fluss des Geschehens nicht kümmert; und nicht selten istes weniger der Thatbestand als der gewählte Standpunkt der Be-trachtung, der unsere Bezeichnung veranlasst. Eine Willensthätig-keit aber ist immer erst da vorhanden, wo auf ein Gefühl eine derRichtung desselben entsprechende Veränderung im Bewusstseinsinhalte,unter Umständen mit daran gebundener äusserer Handlung, folgt.Das vorausgehende, in unmittelbarer Beziehung zu der gesetztenVeränderung stehende Gefühl ist es daher allein, das die Willens-thätigkeit von andern inneren Vorgängen trennt. Einer Veränderungin dem Verlauf unserer Vorstellungen, die aus einem Lust- oderUnlustgefühl entspringt, legen wir eben wegen dieser Abhängigkeitvon jenen subjectiven Regungen, das Merkmal eigener Thätigkeitbei. Wir nennen dann den Vorgang einen activen, spontanen odergewollten, Ausdrücke die durchaus die nämliche Bedeutung be-