Der individuelle Evolutionismus.
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alles sittlichen Handelns sei, so führt das Streben nach Vervoll-kommnung schliesslich auf nichts anderes als auf das Princip derMaximation der Glückseligkeit hinaus. Der Perfectionismus in seinenverschiedenen Gestaltungen fällt so mit dem Eudämonismus zusammenund ist daher auch denselben Einwänden unterworfen wie dieser.Er unterscheidet sich von ihm aber dadurch zu seinem Vortheil,dass er auf die Aufgabe der sittlichen Selbstentwicklung energischerhinweist.
b. Der universelle Evolutionismus.
Diese Denkweise ist mit der vorigen darin einig, dass sie dasSittliche in der Form der Entwicklung sich verwirklichen lässt.Aber in diesem unendlichen Processe ist ihr das Einzelbewusstseinnur ein Factor von verschwindender Bedeutung. Der wahre Trägerdes sittlichen Lebens ist das allgemeine geistige Sein, das sich indem historischen Werden der Menschheit entfaltet, und als desseneinzelne Gestaltungen die Kunst, die Religion, der Staat und dieRechtsordnung, vor allem aber der Process der Geschichte sich dar-stellen. So wird der extreme Universalismus, wie ihn Hegel inseinem System zur Ausführung brachte, zu einem Historismus,für welchen das Gebiet der subjectiven Moralität nur insofern inBetracht kommt, als der Einzelne entweder dem Allgemeinwillensich unterordnet, wo er als der Träger und Vollbringer desselbenerscheint, oder sich ihm entzieht, wo seine That zu einer nichtigenwird, die in dem allgemeinen Entwicklungsprocess völlig verschwindet.Da nun aber das Historische ein Gegebenes ist, dem gegenüber nurvon einem Sein, nicht von einem Sollen geredet werden kann, soverlieren damit zugleich die sittlichen Werthurtheile jene Bedeutung,die ihnen die gewöhnliche Auffassung einräumt. Wohl kann auchhier allenfalls die niedrigere an der höheren Stufe gemessen werden,aber jene ist darum doch ebenso wie diese als eine berechtigte undselbst nothwendige anzuerkennen. Hegels Satz „Alles Wirkliche istvernünftig“ würde sich auch in den andern um wandeln lassen:„Alles Wirkliche ist sittlich“. Hierdurch entgeht freilich der uni-verselle Evolutionismus dem Vorwurfe, der dem individuellen zumachen war, dass er in den Eudämonismus zurückfällt. Aber esverschwinden zugleich die Grenzen, die das Sittliche von andernGebieten trennen, und denen es seinen normativen Charakter fürden Willen verdankt. Gleichwohl ist dieser Standpunkt allen jenen