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Allgemeine Kritik der Moralsysteme.
Ausführungen des Aristoteles über den Werth des beschaulichenLebens oder in Spinozas Gegenüberstellung der geistigen Freiheitund Knechtschaft, die wieder an die analoge Unterscheidung zwischendem Stand der Gnade und der Sünde in der christlichen Ethikerinnert. Der Hauptbegründer dieser Moraltheorie in der neuerenZeit ist aber Leibniz, dessen Spuren die ganze deutsche Moral-philosophie des vorigen Jahrhunderts gefolgt ist. Das Schlagwortdieser Richtung, die „Selbstvervollkommnung“, hat sogar noch indie ernste, der selbstzufriedenen Stimmung der Aufklärungszeit weitabgewandte Ethik Kants Aufnahme gefunden, indem diese der frem-den Glückseligkeit die eigene Vollkommenheit gegenüberstellt, umdamit die beiden hauptsächlichsten Ziele sittlichen Strebens zu be-zeichnen. Noch entscheidenderen Werth auf dieses Moment derindividuellen Vervollkommnung legen Fichte und Schleiermacher, wieihre Formulirungen des Sittengesetzes dies andeuten.
Die Selbstvervollkommnung ist nun aber an und für sich keinethisches Princip. Sie liefert nur eine formale Bestimmung zu einemanderweitig gegebenen sittlichen Inhalte. Vervollkommnung ist noth-wendig immer Vervollkommnung von etwas, wobei dieses inminderwerthigen Graden schon vorhanden sein muss, wenn jene be-ginnen soll. Und dieses Etwas kann wieder nur entweder die individuelleoder die universelle Glückseligkeit sein, indem das Individuum seinesittliche Vollkommenheit entweder darin findet sein eigenes Glückoder das allgemeine Glück zu fördern. Der Perfectionismus ver-bindet sich also nothwendig mit dem Egoismus oder Utilitarismus,wie ja auch diese Standpunkte ihrerseits meist schon den erstereneinschliessen. So findet sich bei den Stoikern und Epikureern und,wenn auch in veredelter Form, in der christlichen Ethik sowie beiSpinoza ein vorzugsweise egoistischer Perfectionismus; bei Leibnizund seinen Nachfolgern verbindet sich dieser mit dem Utilitarismus,und Kant endlich vereinigt in seiner doppelten Forderung der frem-den Glückseligkeit und der eigenen Vollkommenheit beide Richtungen.In allen diesen Fällen entsteht wiederum die Frage, was denn unterder Vollkommenheit zu verstehen sei. Da, wie man meist annimmt,unter allen sinnlichen, intellectuellen, ästhetischen, ethischen Güterndie erstgenannten nur insofern einen allgemeingültigen Werth be-sitzen, als sie wiederum sittlichen Zwecken dienen, so bezieht sichauch die Vervollkommnung mindestens zum allergrössten Theile aufdas sittliche Streben. Folgt nun das letztere dem in der Regelangenommenen Grundsätze, dass das Wohl der Nebenmenschen Zweck