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Allgemeine Kritik der Moralsysteme.
uns verlangt? Dem Utilitarier besteht die Menschheit aus den ein-zelnen Menschen, die Gesellschaft aus ihren einzelnen Mitgliedern.Wie das Ganze nur um der Individuen willen da ist, so verfolgendiese, wenn sie Pflichtleistungen für das Ganze vollbringen, schliess-lich doch nur individuelle Zwecke. Das Individuum ist ja das einzigWirkliche in diesem System, und jedes Individuum ist wieder inBezug auf seine Fähigkeit Glück und Schmerz zu empfinden eineWiederholung des andern. Worin aber soll nun der besondere Werthdieser Wiederholung der nämlichen Lustempfindung in möglichstvielen von einander getrennten Individuen bestehen? Der Wertheines mathematischen Lehrsatzes gewinnt nichts dadurch, dass manihn unzähligemal nach einander demonstrirt. Wenn zwei Wesen inallen ihren Eigenschaften übereinstimmen, so würden sie, wie Leibnizbemerkt hat, vermöge des „Principium indiscernibilium“ überhauptnur ein Wesen sein. Ist nun etwa, im Widerstreit mit diesemAusspruch, eine Lustempfindung, wenn sie sich tausendmal indivi-dualisirt, tausendmal mehr werth, als wenn dies nur einmal geschieht?Man wird antworten: sie ist es, wenn die Lust des Zweiten auf diedes Ersten zurückwirkt und so was tausendmal geschieht zugleichzu tausend neuen Quellen individueller Lust wird. Aber wie solldies geschehen, wenn es keine Güter gibt als solche, die in indivi-duellem Wohlbefinden bestehen? Ist die individuelle Glückseligkeitdas Mass, an welchem die sittlichen Werthe zu messen sind, dannliegt dieses Mass für jedes Individuum in dem Maximum seineseigenen Wohlbefindens, und es ist weder einzusehen, wie der Einzelnezu Gunsten seines Nächsten auf mehr Glück verzichten soll, nochist ihm dies zuzumuthen, es sei denn von der egoistischen Erwägungaus, dass übertriebener Eigennutz dem Besitzer selber zum Nachtheilausschlägt. Das ist in der That der Standpunkt des egoistischenUtilitarismus, für welchen das Princip der Maximation der Glück-seligkeit keinen Sinn hat. Denn der weiseste Egoist, wenn er wohl-begütert ist, wird sich hüten etwa eine allgemeine Vertheilung derGüter vorzuschlagen, nur damit er sich ein Einkommen sichere, dasihm Niemand streitig macht, ln der That geräth der sociale Utili-tarismus mit sich selber in Widerstreit, weil schon seine principiellenVoraussetzungen einander widersprechen. Er verlegt den Zweck desSittlichen in das Ganze der menschlichen Gesellschaft, aber diesesGanze zerlegt er zugleich in zusammenhanglose Atome. Eineratomistisch gedachten Gesellschaft entspricht nothwendig eineegoistische Ethik. Dem Utilitarier widerstrebt die letztere, doch