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Allgemeine Kritik der Moralsysteme.
wenn unsere bisherigen Urtheile über sittlich und unsittlich mangel-haft waren, so ist das kein Grund, warum wir sie nicht nach bessererEinsicht berichtigen sollten. Bis dahin war man der Meinung, dasSittliche sei zwar oft, aber nicht in allen Fällen nützlich, und dasNützliche sei manchmal, aber bei weitem nicht immer sittlich. Dochwenn die Welt besser dabei fährt, so kann uns dies nicht hindernden Grundsatz zu adoptiren: alles was nützlich ist ist sittlich, undalles was sittlich sein soll muss nützlich sein. Vielleicht würde aberder Utilitarier sogar eine derartige Dissonanz zwischen seinem Grund-sätze und der gewöhnlichen moralischen Beurtheilung nicht einmalzugeben. Er würde sagen: nicht darauf kommt es an, dass die ein-zelne Handlung mehr als jede andere im gegebenen Fall möglichezum allgemeinen Wohl ausschlage, sondern dass der durchschnitt-liche Charakter der Handlungen ein solcher sei, dass dadurch 'dasGlück der Menschheit yergrössert werde; hier kann aber nichtzweifelhaft sein, dass es im allgemeinen besser ist, wenn der aufeinen Posten gestellte Soldat diesen nicht verlässt, und wenn manKinder, die ins Wasser gefallen sind, zu retten sucht. Doch damitkommen wir zugleich auf einen weiteren Punkt, an welchem eineethische Theorie vor allem ihre Brauchbarkeit zu bewähren hat, aufdie Frage nämlich: wie verhalten sich nach der utilitarisehen Moral-theorie die Motive zu den Zwecken sittlicher Handlungen, undwie stimmt dieses Verhältniss mit den thatsächlichen Beweggründenund Erfolgen menschlicher Handlungen überein?
Eine präcise Antwort auf diese Frage geben uns die utilitari-schen Theorien nur hinsichtlich der Zwecke: diese bestehen ja ebenin dem möglichst grossen Wohlbefinden möglichst Vieler. Durchwelche Motive aber der Mensch angetrieben wird diese Zwecke zuerstreben, darüber erkält man meist nur ungenügende Auskunft.Immerhin lassen sich hier zwei Richtungen unterscheiden. Dieeine, welche namentlich durch Bentham, zum Theil aber auch nochdurch Mill vertreten wird, schliesst sich an die Reflexionsethik an.Sie leugnet zwar nicht die Bedeutung altruistischer und egoistischerGefühle; aber im allgemeinen setzt sie doch eine intellectuelle Anti-cipation der zu erreichenden Zwecke voraus, und besonders für diehöheren Stufen der Sittlichkeit verlangt sie dem utilitarischen Principgemäss eine sorgfältige Erwägung der Handlungen mit Rücksichtauf den zu erreichenden Erfolg. Auf diese Weise geschieht es nun,dass in dieser Theorie das normale Verhältniss von Motiven undZwecken der Handlungen vollständig sich umkehrt. Normaler Weise