Der altruistische Utilitarismus.
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So leidet denn auch, diese Anschauung an der ganzen Un-bestimmtheit, welche der Begriff des Eudämonismus in sich schliesst.Wenn alles was menschliches Wohlbefinden erhöht sittlich ist, somüssen Gesundheit, sinnliche Genüsse, die Befriedigung des Ehr-geizes und der Eitelkeit zweifellos mit zu den Gütern gezählt werden,die für sich und Andere zu erstreben sittlich ist, und die Utilitariersind im allgemeinen bereit dies einzuräumen, wenn sie auch dengeistigen Genüssen meist einen höheren Werth zugestehen. Lassenwir nun völlig dahingestellt, ob und inwiefern eine Gradabstufungdieser verschiedenen Güter möglich ist, ob wirklich, wie Mill be-hauptet, die Majoritätsentscheidung der Menschen zu Gunsten derhöheren geistigen Güter ausfallen würde, setzen wir lieber sogleichvoraus, nicht die Meisten, sondern die Besten und die Einsichtigstensollten hierüber beschliessen, so ist gleichwohl zu befürchten, dassdiese Richter mit den sittlichen Urtheilen, die sie selbst bis zurAnwendung dieses neuen Massstabes gefällt, in einigen Widerstreitgerathen dürften. Sie würden sich entschliessen müssen, die Erfin-dung der Buchdruckerkunst, des Compasses, der Dampfmaschine,des antiseptischen Wundverbandes für sittliche Handlungen zuhalten; bei dem Schiesspulver und Dynamit würden sie vielleichtin Zwiespalt bleiben oder sich dahin entscheiden, dass diese Erfin-dungen zur Hälfte sittlich, zur andern Hälfte aber sehr unsittlichseien. Wie jene Richter manches was sie bis dahin bloss für nütz-lich gehalten nun als sittlich anzuerkennen hätten, so würden sieaber nicht umhin können, unter dem neuen Gesichtspunkte auchvieles für unsittlich oder mindestens für gleichgültig zu erklären,was vorher als sittlich von ihnen gerühmt wurde. Der Soldat, derim Felde auf einem verlorenen Posten ausharrt, nützt weder Andernnoch der Sache der er dient; und da er selbst in den sicheren Todgeht, so ist auch die Ehre die er davonträgt für ihn ein imaginäresGut. Durch diese Handlung wird nur Glück vermindert, kein Glückgeschaffen, — wie kann man sie nach der Meinung des Utilitariersnoch eine rühmliche und sittliche nennen? Ein Familienvater oderein in öffentlicher Stellung schwer ersetzbarer Mann, der mit höchsterLebensgefahr ein ertrinkendes Kind rettet, handelt vom Standpunktedes Nutzens betrachtet unsittlich, denn die Wahrscheinlichkeit, dasser durch seine That das Gemeinwohl schädigt, ist viel grösser alsdie, dass er dadurch die Summe des Glücks vermehrt.
Doch es ist zuzugeben, diese Argumente bilden keine ent-scheidende Instanz. Der Utilitarier kann ihnen entgegenhalten: