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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Allgemeine Kritik der Moralsysteme.

grössten Utilitarier, Baco*). Es wird daher gerathen sein, den vonihm empfohlenen Grundsatz, dass man sich, ehe man eine Unter-suchung beginne, vor allen Dingen der mitgebrachten Vorurtheileentledige, auch auf die Untersuchung des Utilitarismus selber an-zuwenden.

Hier liegt nun zunächst ein Einwand nahe, dessen Berechti-gung von manchen Bekennern desselben zugestanden worden ist,den sie aber nicht für wesentlich halten, weil er weniger die Sacheals den Namen anzugehen scheint, welchen letzteren man preisgebenwürde. Indem das Sittliche als das Nützliche bezeichnet wird, bleibtdahingestellt, was es selbst eigentlich sei. Denn der Nutzen ist einRelationsbegriff, der einen bestimmten Inhalt erst dann gewinnt,wenn wir angeben, wozu etwas nützlich sei. Wenn daher Mill,der diesen Ausdruck einführte, die Ansicht Benthams als Utilitaris-mus bezeichnete, so hatte dies insofern seine Berechtigung, als indem System Benthams das Eigenthum unter allen Gütern einecentrale Stellung einnahm. Das Eigenthum ist in der That daseminent nützliche Gut, weil es an sich selbst gar keinen Werth hat,sondern dadurch erst Werth gewinnt, dass es zur Erlangung un-mittelbarer Güter benützt wird. Schon für Mills eigenes Systemwar aber der AusdruckUtilitarismus unpassend geworden, da erdem Eigenthum jene centrale Stellung nicht mehr einräumte, sonderndie unser Wohlbefinden vermehrenden geistigen und sinnlichen Ge-nüsse selbst als den Endzweck des Sittlichen betrachtete und indiesem Sinne auch das Princip derMaximation der Glückseligkeitverstand. Hierin ist ihm nun der neuere Utilitarismus durchweggefolgt, indem er anerkennt, dass Reichthum nicht die einzige undnoch weniger die unfehlbar wirksame Bedingung sei, welche zu denuns direct beglückenden Gütern verhelfe. Der AusdruckUtilitaris-mus ist auf diese Weise zu einer wenig passenden Substitution fürden alten Begriff des Eudämonismus geworden. Sein Unterschiedvon anderen Formen des letzteren liegt nur in dem Princip derMaximation der Glückseligkeit: er ist kein egoistischer, sondern einsocialer Eudämonismus. Das hat der moderne Utilitarismus viel-fach anerkannt, indem er nicht mehr den allgemeinen Nutzen, son-dern dieallgemeine Wohlfahrt als sittlichen Zweck be-zeichnet, wobei er aber den letzteren gemäss dem BenthamschenPrincip als das Wohl der möglichst grossen Zahl definirt.

*) Nov. Organon I, 41.