Der altruistische Utilitarismus.
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ruistischen Charakter. Bestimmter haben dann namentlich Shaftes-bury und Hume in die richtige Abwägung des eigenen gegen dasfremde Interesse die sittliche Gesinnung verlegt. In dem neuerenUtilitarismus, welcher das Gesammtwohl energischer betont, ist jenerGedanke mehr zurückgetreten; aber indem man in dem Gesammt-wohl das Wohl aller Einzelnen oder, nach Benthams Ausdruck, das„grösstmögliche Wohl der grösstmöglichen Zahl“ erblickte, wurdees als selbstverständlich betrachtet, dass das eigene Ich in diese Zahlmindestens als Einheit mit eingehe.
Der Vorzug dieser Richtung besteht darin, dass sie mit jenerpraktischen Moral des gesunden Menschenverstandes, der auf intellec-tuellem wie auf sittlichem Gebiet ein gewisses mittleres Durchschnitts-mass der Anlagen und Leistungen zur Geltung bringt, in leidlicherUebereinstimmung zu stehen scheint. Nun wird man dem Instinctdes gesunden Menschenverstandes im allgemeinen vertrauen können,wenn es sich um die Frage handelt, was unter den gewohnheits-mässig im Leben vorkommenden Bedingungen geschehen darf odernicht. Aber der sogenannte gesunde Menschenverstand ist einschlechter und in der Regel irrender Richter, sobald er sich voraussergewöhnliche Aufgaben gestellt sieht, — und sie sind dochim sittlichen Leben, nicht weniger wie auf intellectuellem Ge-biet, schliesslich die wichtigeren, weil sie in die sittliche Entwick-lung ungleich entscheidender eingreifen als jenes durchschnittlicheGleichgewicht egoistischer, mit einem kleinen altruistischen Zusatzversehener Triebe, das allenfalls zur Aufrechterhaltung eines erträg-lichen moralischen Zustandes der Gesellschaft hinreicht. Der soge-nannte gesunde Menschenverstand ist ferner überall nur ein schlechterRichter, wo er bei theoretischen Problemen irgend welcher Art mit-zureden hat. Wo wäre die Astronomie, wenn das CopernikanischeSystem auf die Sanction der öffentlichen Meinung hätte wartenmüssen? Wo die Erkenntnisstheorie, wenn sie sich alle Vorurtheiledes gemeinen Menschenverstandes ruhig müsste gefallen lassen? Dasethische Problem hört deshalb, weil es sich auf die Principien derpraktischen Lebensführung bezieht, nicht auf ein eminent theoreti-sches Problem zu sein, und der lange Widerstreit der Meinungenspricht nicht dafür, dass es sich vor andern wissenschaftlichen Auf-gaben durch geringere Schwierigkeit auszeichnet. Niemand hat soeindringlich vor jenen natürlichen Vorurtheilen gewarnt, denen dermenschliche Geist unterworfen sei, weil er seine eigene Natur mitder Natur der von ihm betrachteten Dinge vermische, als einer der