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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die autoritativen Moralsysteme.

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Grund der göttlichen Sittengebote zu reflectiren. So entstandensuccessiv drei Anschauungen, die zugleich die allmählichen Ueber-gänge der heteronomen in eine autonome Moral darstellen. Nachder ersten ist das Sittengebot nur deshalb sittlich, weil es einreligiöses Gebot ist. Allein der Wille Gottes bestimmt, was sittlichsei und was nicht. Hätte Gott ein anderes Gebot gegeben, so wür-den damit auch unsere Begriffe von gut und böse andere gewordensein. Diese Anschauung, welche in dem scholastischen Nominalis-mus und dem theologischen Utilitarismus zur Ausbildung gelangtist, nimmt dem Sittlichen, indem sie die Autonomie desselben völligbeseitigt, jeden selbständigen Werth. Diesen sucht nun die zweiteAnsicht zu retten, indem sie das Sittengebot gleichzeitig als einim Menschen entstehendes, durch verständige Ueberlegung oder ver-nünftige Einsicht entwickeltes Princip seiner Handlungen und alsein ihm durch Offenbarung zu Theil gewordenes religiöses Gebotbetrachtet. Hierher gehören die Anschauungen eines Locke undLeibniz und des ihren Spuren folgenden theologischen Rationalismusdes vorigen Jahrhunderts. Autonomie und Heteronomie werdeneinander coordinirt, indem man je nach Neigung die eine oderandere in den Vordergrund stellt und in Bezug auf die autonomeEntstehung des Sittengesetzes entweder der Verstandes- oder derVernunftmoral folgt. Wählt man die letztere, so ist nun aber damitzugleich der Weg zur Ausgleichung dieses Zwiespaltes zwischen zweiin ihrem Inhalt übereinstimmenden und nach ihrem Ursprung ver-schiedenen Gesetzen eröffnet, den die dritte Vermittlungstheorieeinschlägt. Nach ihr ist das Sittengebot göttlichen Ursprungs wiedie menschliche Vernunft selbst; es braucht daher dieser nicht erstvon aussen mitgetheilt, sondern es kann unmittelbar aus ihr geschöpftwerden; denn es gehört zu jenen eingeborenen Wahrheiten, auf denenalle Vernunfterkenntniss beruht. Dies ist im allgemeinen die Auffas-sung der metaphysischen Ethik und des von ihr beeinflussten englischenIntellectualismus. Innerhalb dieser Auffassung hat sich dann aberwieder ein allmählicher Uebergang zur vollen Autonomie vollzogen.Während in den älteren Intellectualsystemen die Vernunft lediglichals Organ göttlicher Offenbarung erscheint, wird bei Kant, der alsder letzte Vertreter dieser Richtung angesehen werden kann, dieheteronome der autonomen Betrachtungsweise untergeordnet: dasinnere Sittengesetz ist das ursprüngliche, und die Religion selbstverwandelt sich in eineErkenntniss aller unserer Pflichten alsgöttlicher Gebote. Damit ist die Heteronomie im Princip beseitigt: