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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Classification der Moralsysteme.

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mäss dem Princip des Gehorsams, dessen sie sich bedienen, lehnensie aber zuweilen eine solche Rechenschaft überhaupt ab: das Sitten-gesetz muss dann befolgt werden, weil es durch eine höhere Autoritätgegeben ist, ohne dass nach seinen Zwecken gefragt wird. Einesystematische Gliederung der nach dem Zweckinhalt des Sittlichenauseinandergehenden Anschauungen kann daher nur bei den auto-nomen .Moralsystemen versucht werden. Hier scheiden sich nun vorallem zwei Zweckbestimmungen. Nach der einen geht das sittlicheHandeln auf die Verwirklichung unmittelbar zu realisirenderGüter, d. h. solcher die entweder dem Handelnden selbst oderseinen Mitmenschen oder beiden zusammen zu statten kommen. Nachder andern bildet das individuelle Handeln den integrirenden Be-standteil einer sittlichen Entwicklung, und nicht der un-mittelbare Effect der Handlung sondern das Endziel jener Entwick-lung ist der eigentliche oder mindestens der letzte Zweck jedereinzelnen sittlichen That. Da die unmittelbar zu realisirenden Güterdas ausmachen was wir Glücksgüter, mit einer übrigens einessehr verschiedenen Umfangs fähigen Bedeutung des Wortes, nennen,und der Zweck der Glücksgüter wieder darauf gerichtet ist Lustzu erwecken, wobei selbstverständlich auch dieser Begriff der Lustjede mögliche Art von Lusteffecten, insbesondere auch die reingeistigen Genüsse umfassen kann, so wollen wir allgemein dieSysteme der ersteren Art als die eudämonistischen und die derzweiten als die evolutionistiscken bezeichnen. Jede dieser An-schauungen spaltet sich dann wieder in eine individuelle und ineine universelle Richtung. Der individuelle Eudämonis-mus oder Egoismus betrachtet das eigene Glück, der universelleEudämonismus oder Utilitarismus das Wohl Aller als Zweckdes Handelns. Der individuelle Evolutionismus sieht in dereigenen Vervollkommnung, der universelle Evolutionis-mus in der geistigen Entwicklung der Menschheit, wie sieempirisch in dem geschichtlichen Werden derselben sich darstellt,den letzten Zweck des Sittlichen.

Wir gewinnen so die folgende Eintheilung:

I. Die autoritativen Moralsysteme.

Sie zerfallen wieder in die politische und in die religiöseHeteronomie und verzichten entweder auf jede Erkennung derZwecke oder schliessen sich in Bezug auf diese einem der autonomenSysteme an.