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Die neuere Ethik.
mehr aber jenes ursprüngliche System in der Bestimmung der sitt-lichen Zwecke den Anschauungen des socialen Utilitarismus verwandtwar, um so näher lag der Gedanke, hier Bentham durch Comte zuergänzen, den von ersterem ausgesprochenen Zweckgedanken durchdie Entwicklungsideen des letzteren und durch seine tiefere psycho-logische Motivirung, die selbst durch eine absurde Anlehnung andie Phrenologie nur äusserlich entstellt wurde, zu ersetzen. DerHauptrepräsentant dieser Vermittelung zwischen englischem Utilita-rismus und französischem Positivismus ist John Stuart Mill, dersich selbst einen Schüler Comtes wie Benthams genannt hat.
Eine Fortbildung des Utilitarismus ist bei Mill hauptsächlichin zwei Punkten anzuerkennen. Erstens hebt er eindringlicher alsBentham den verschiedenen Werth der einzelnen Lustformen undden weit überwiegenden sittlichen Werth der geistigen Genüsse her-vor. Dem entsprechend tritt die Ubergrosse Schätzung des äusserenBesitzes zurück, wie er sich denn auch jenen SchlussfolgerungenBenthams, die auf Gütergleichheit ausgehen, nicht anschliesst. Da-durch begegnet freilich seiner Ethik eine neue Schwierigkeit. Esentsteht nämlich die Frage, woran das ethisch werthvollere von demwerthloseren Gut zu unterscheiden sei. Mill weiss darauf keine an-dere Antwort, als indem er sich auf die Majorität beruft. Dasjenigevon zwei Gütern, welches von der Mehrzahl der Menschen vor demandern erstrebt werde, sei in Wirklichkeit das vorzüglichere. Die,,öffentliche Meinung“, welche Locke zuerst als eine Form der Sanc-tion des Sittengesetzes eingeführt, wird so von Mill zum massgeben-den Factor desselben gemacht.
Der zweite Punkt, in welchem Mill an Benthams Lehre eineverbessernde Hand legt, betrifft das Verhältniss von Motiv und Zweckdes Sittlichen. Für die Zwecke wird bei ihm vermöge seiner Werth-abstufung der Güter die vernünftige Einsicht unerlässlich, obgleicher gegenüber den intuitiven Moralsystemen die relative Berechtigungjeder Lustform, auch der sinnlichen betont und daher kein Glückals ein vollkommenes ansieht, das durch irgend einen Beisatz vonUnlust getrübt werde. Dagegen sucht er auf Seite der Motive demGefühlsmoment seine Bedeutung zu sichern, da er mit Gomtesociale Gefühle annimmt, die uns instinctiv das Richtige zu thungebieten, ohne dass jedesmal eine Ueberlegung der Ursachen undFolgen der Handlung erforderlich wäre. Das Gefühl nimmt abernach Mill nicht bloss das Resultat der Ueberlegung voraus, sondernes ist selbst aus vorangegangenen Ueberlegungen entsprungen, seien