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Die neuere Ethik.
und dem Fortschritt tritt die Liebe zur Seite; ja sie wird jenenübergeordnet, insofern sie nach Comte das treibende Motiv für alleauf Ordnung und Fortschritt gerichteten socialen Kräfte ist. „L’amourpour principe, 1’ordre pour base, et le progres pour but! “ *) Gehörtauch diese Formel, in die er den Grundgedanken seiner Lehre zu-sammenfasst, einer späteren, in mancher Beziehung veränderten Ge-staltung an, so kann sie doch als der treffende Ausdruck derselbenauch in ihrem früheren Stadium angesehen werden, da sie deutlichdie Stellung bezeichnet, die von Anfang an den Sympathiegefühlenzugewiesen ist. Hier ist Comte den Vertretern der emotionalen Ethikverwandt. An die Stelle der Sympathie setzt er aber den „Altruis-mus“. Das seitdem in den ethischen Sprachschatz aufgenommeneWort ist seine Erfindung. Nun ist die Sympathie der engere, derAltruismus der weitere, nicht nur jede Art von Mitgefühl, sondernauch die thätige Hingabe für den Nächsten einscliliessende Begriff.Das eigentliche Problem der sittlichen Entwicklung besteht demnachfür Comte darin, dass der Egoismus, ursprünglich der mächtigereTrieb, allmählich durch den Altruismus eingeschränkt wird. EineUeberwindung egoistischer Instincte würde jedoch unmöglich sein,wenn die Gesellschaft nur aus Einzelnen bestünde. Dann würdeder Krieg Aller gegen Alle nicht nur der natürliche Zustand sein,sondern es wäre auch gar nicht einzusehen, wie der Mensch jemalsaus diesem Zustande sich emporheben könnte. Aber schon im Natur-zustände lebt er paarweise. Nicht der Einzelne, sondern die Familieist daher die sociale Einheit. In ihr werden zuerst die Instincte desMitgefühls befriedigt und verstärkt, und sie bildet so die erste Stufedes socialen Lebens, dessen weitere Entwicklung durch die Nöthigungzu gemeinsamer Arbeit und dann durch die allmählich eintretendeArbeitstheilung bestimmt wird. Gleiche Beschäftigung verstärkt zu-nächst die socialen Gefühle, führt aber eben darum zur Spaltungder Angehörigen verschiedener Berufszweige, welcher Spaltung ent-gegenzuwirken die Aufgabe der die gemeinsamen gesellschaftlichenInteressen wahrenden Regierung ist. Je mehr daher die Theilnahmean der Regierung zunimmt, um so mehr wachsen und erweitern sichdie socialen Gefühle. So wird schliesslich als das höchste Gebot derHumanität die vollständige Aufhebung des Egoismus, das „Lebenfür Andere“ erkannt**).
*) Catecliisme positiviste, p. 57.
**) Philos. pos., T. IV, Le?. 50.