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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Der Utilitarismus und Positivismus in England und Frankreich. 393

schädlich sei, theils durch politische Einflüsse, indem die schonbestehende Gesetzgebung uns auf den richtigen Weg führt; dazutreten endlich noch die gesellschaftliche und die religiöseSanction in der Form der öffentlichen Meinung und des religiösenSittengebotes. In diesen verschiedenen Sanctionen des Nützlichkeits-princips wiederholen sich bei Bentham die entsprechenden Unter-scheidungen Lockes; nur dass von ihm noch entschiedener dasnatürliche Sittengesetz, welches Jeder in seiner eigenen Vernunftfindet, bevorzugt wird. Denn während Locke mindestens dem reli-giösen Sittengebot noch eine Ausnahmestellung anwies, haben beiBentham alle jene Sanctionen in der vernünftigen Ueberlegung ihreQuelle. So werden denn bei ihm die intellectuellen Motive die vor-waltenden. In diesem Sinne gesteht er bei der Untersuchung derBeweggründe des selbstlosen Handelns nicht bloss dem Wohlwollensondern auch dem Streben nach gutem Ruf, dem Verlangen nachFreunden und der Uebereinstimmung mit den Vorschriften der Religionihren Werth zu; und er entscheidet die Frage, warum wir das all-gemeine Wohl dem eigenen vorziehen können, mit Hobbes und Lockedahin, dass ursprünglich der Egoismus allein das den Menschentreibende Motiv sei, aber die Ueberlegung lehre ihn bald, dass esnützlich sei vor der Welt uneigennützig zu scheinen. Der blosseSchein bringe jedoch die Gefahr mit sich als Heuchler entlarvt zuwerden, und so stelle es sich schliesslich als nützlich heraus, daswirklich zu sein was man zuerst bloss geschienen habe. Es erinnertdiese Deduction an die Theorien eines Mandeville und Helvetius.Zugleich zeigt die verwickelte Kette vernünftiger Ueberlegungen,die zuerst dazu führen soll, die Förderung des Gemeinwohls nütz-lich für das eigene Interesse und dann sogar diejenige Förderung,welche ohne egoistische Absicht geschieht, am nützlichsten zufinden, wie gross der Antheil ist, der hier der Reflexion zugestan-den wird.

Sicherlich ist es nicht diese unbedeutende und wenig originellepsychologische Motivirung, der Benthams Moralphilosophie ihre nach-haltige Wirkung verdankt. Letztere entsprang vielmehr, abgesehenvon einzelnen einsichtigen Bemerkungen des um die Gesetzgebungseines Landes hochverdienten Mannes, wohl hauptsächlich der glück-lichen Formulirung des Princips der Maximation der Glückseligkeit.In ihm hatte von nun an der sociale Utilitarismus sein Stichwortgefunden, durch das die unerfüllbare Forderung des gleichen GlücksAller zweckmässig beschränkt wurde, und das ausserdem unbestimmt