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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die neuere Ethik.

Gut, weil, sobald sie in Gefahr ist, auch alle andern Güter gefährdetsind. Nichts widerspricht aber mehr dem Princip der Sicherheitals die Antastung des Privateigenthums. So gelangt Bentham zuder merkwürdigen, von ihm selbst freilich nicht ausgesprochenenFolgerung, dass dieMaximation der Glückseligkeit, die sein Moral-princip fordert, nie zu erreichen ist, weil eine möglichst gleiche Ver-theilung des Besitzes, die dazu die nothwendige Bedingung wäre,wegen der mit ihr verbundenen politischen Gefahren nicht hergestelltwerden kann.

Obgleich nun Bentham nicht daran denkt, im Sinne des Hedo-nismus die Glückseligkeit der sinnlichen Lust gleichzusetzen, so gra-vitiren doch seine Anschauungen einigermassen nach dieser Seitedurch die wichtige Stellung, welche er dem materiellen Besitz ein-räumt. Denn so sehr er es betont, dass der Reichthum das Hülfs-mittel sei, durch welches wir uns nicht bloss sinnliche sondern auchgeistige Genüsse verschaffen können, so leidet es doch keinen Zweifel,dass die letzteren nicht in so unbedingter Abhängigkeit von dem-selben stehen wie die ersteren. Dieser einseitige Gesichtspunkt, dassdie äussern Güter die Hülfsmittel zur Hervorbringung der innernsind, gibt aber zugleich seinen Gedanken ihre utilitarische Rich-tung. Das Nützliche ist nicht um seiner selbst, sondern um derObjecte willen da, denen es dient. In diesem Sinne ist vor allemder Reichthum nützlich. In ähnlicher Weise können aber auch dieandern Freuden, welche sich an der menschlichen Glückseligkeit be-theiligen, wechselseitig fördernd in einander eingreifen, wie die Ge-schicklichkeit, die Freundschaft, die Macht, das Wohlwollen u. s. w.

Der Untersuchung der psychologischen Motive des Sittlichenhat Bentham, im Gegensätze zu Hume und Smith, nur geringeAufmerksamkeit geschenkt. Seine Ausführungen halten hier zwischender emotionalen und intellectualen Ethik seiner Vorgänger die Mitte.Lust und Unlust sind ihm nicht bloss, wie das Princip der Maxi-mation der Glückseligkeit zeigt, die Zwecke, sondern sie sind ihmzugleich die Motive des sittlichen Handelns.Sie allein bestimmensowohl was wir thun werden als was wir thun sollen. AlsMotive treten sie nun aber in den Dienst der Vernunft, welcheuns die richtigen Wege anweist, wie durch unser Handeln und durcheine zweckmässig eingerichtete Gesetzgebung nicht nur unser eigenesGlück sondern auch das unserer Mitmenschen gefördert werde. DieVernunft wird dabei geleitet theils durch physische Einflüsse, indemwir an unserem eigenen Körper erfahren, was nützlich und was