Der deutsche Naturalismus und Materialismus.
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Liebe sei. Freilich ist ihm aber die Wirklichkeit dieser Glaubens-vorstellungen an die Bedingung gebunden, dass sie einem ungestilltenBedürfnisse entgegenkommen. Wie darum der Protestantismus dieMutter Gottes zur Seite gesetzt habe, „um an ihrer Stelle das irdischeWeib in sein Herz aufzunehmen“, so werde von dem, der das sinn-liche Leben als das einzig wirkliche erkannt, auch der Sohn und derVater dahinzugeben sein. Denn: „nur wer keine irdischen Elternhat, braucht himmlische Eltern“ *).
Auf diese Weise ergänzt Feuerbach das in dem französischenMaterialismus zur ausschliesslichen Herrschaft gelangte Princip derSelbstliebe durch das Sympathiegefühl der emotionalen Ethik. Aberseine Begründung dieser Verbindung ist freilich, trotz seiner schla-genden Zurückweisung der unpsychologischen Willenslehre der specu-lativen Philosophie, mehr eine dialektische als eine psychologischezu nennen; ebenso wie seine anthropopathische Auffassung reli-giöser Vorstellungen zwischen symbolisirender Deutung und psy-chologischer Erklärung mitten inne steht. Schwerer noch alsdieser Mangel an psychologischer Vertiefung springt das gänz-liche Fehlen einer erkenntnisstheoretischen Grundlegung seiner Philo-sophie in die Augen. Hierin wirkt der Hegel’sche Standpunkt auchbei ihm nach. Und hierin ist er wiederum vorbildlich gewordenfür den modernsten Materialismus. Trotz der energischen Geltend-machung der Ergänzung der einzelnen Persönlichkeit durch diedes Andern überschreitet seine Auffassung nirgends die Schrankendes Individuums. Ja das Verhältniss zu dem Nebenmenschendenkt er fast nur innerhalb der engsten Schranken unmittelbarerpersönlicher Beziehungen. In dieser Hinsicht ist die verwandtegeistige Bewegung, die gleichzeitig in England und Frankreich zurHerrschaft gelangte, erheblich über Feuerbach hinausgegangen.
c. Der Utilitarismus und Positivismus in Englandund Frankreich.
In England knüpft die Entwicklung der neueren Moraltheorien anden Empirismus und Utilitarismus der Locke’schen Schule an; sie istaber mitbeeinflusst von den schottischen Philosophen der Vergangen-heit, einem Hume und Adam Smith, und sie verstattet daher auch demGefühlsmoment einen gewissen Einfluss, obgleich der Locke’sehe
*) Wesen des Christenthums, 4. Aufl., Werke, VII, S. 115 ff.