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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die neuere Ethik.

zuweisen. Wie nach ihm die Götter die Wünsche der Menschensind, so ist das Streben des Menschen nach Glückseligkeit die Wurzelaller Moral, und dieses Streben selbst ist hinwiederum ganz an diesinnliche Natur des Menschen gebunden, wie denn überhaupt dieAnnahme eines von der Sinnlichkeit unabhängigen Geistes, geistigerZwecke, die nicht zugleich sinnliche Zwecke wären, eine Abstraction,keine Wirklichkeit ist. In diesem Sinne ist auch der Wille keinabstractes und allgemeines, was über den einzelnen Willenshandlungenschwebt, sondern nur das concrete, zeitlich und sinnlich bedingteWollen*). Es gibt kein Gesetz des Willens, das den sinnlichenTrieben feindselig gegenüberstünde, sondern das höchste Gesetz des-selben ist nur der wirksamste aller Triebe, der Glückseligkeitstrieb.Was meinen Glückseligkeitstrieb verletzt, was meiner Eigenthums-liebe, meiner Selbstliebe überhaupt widerspricht, das soll nicht seinund das kann nicht sein **). Aber aus diesem Princip der Selbst-liebe folgt ihm keineswegs eine Moral des Egoismus. Darin ist,wie er betont, der deutsche Materialismus grundverschieden vondem französischen. Hatte dieser seine Wurzel in der Revolution,so hat sie jener in der Reformation, welche den SatzGott istdie Liebe zuerst zur Wahrheit gemacht hat, denn ihr ist die Liebenicht einActus purus, wie der mittelalterlichen Scholastik, sonderndie wahre,d. h. von den wirklichen materiellen Leiden der Mensch-heit ergriffene Liebe***). Diese Liebe wurzelt aber in der Selbst-liebe. Gerade so wie ein immaterieller Geist ein leeres Gedanken-ding ist, so gibt es kein Subject ohne Object, kein Ich ohne einDu, keine Selbstliebe ohne Nächstenliebe. In dem Verhältniss derGeschlechter findet dieser natürliche Zusammenhang seinen unmittel-barsten Ausdruck. Darum erscheint Feuerbach dieses als der wahreGehalt des christlichen Dogmas der Trinität, dass es vorbildlich dieEinheit des Subjects in der Zweiheit aufgehen lasse, mit Gott demVater, der für sich bestehenden Intelligenz, den Sohn als die Liebe,alsein der Persönlichkeit nach unterschiedenes, dem Wesen nachaber einiges Wesen gegenüberstelle, welche Einheit dann der heiligeGeist nur in einer unnöthigen Hypostasirung dieses Verhältnisses zumAusdruck bringe. Der katholische Mariencultus ist ihm ferner einZeugniss dafür, dass die Liebe zur Frau die Basis der allgemeinen

*) Gottheit, Freiheit und Unsterblichkeit. Werke, X, S. 50 ff.

**) Ebend. S. 93.

***) Ebend. S. 118.