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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die neuere Ethik.

sind, ja oft geradezu als ideale, nie völlig erreichbare, liingestelltwerden. Doch bleibt sie auch in Bezug auf diese Zwecke realistisch,da sie dieselben als der Sinnenwelt angehörige, nicht, wie derIdealismus, als transcendente oder als Theile eines im ganzen über-sinnlichen Weltzwecks betrachtet.

a. Herbarts praktische Philosophie.

Der fortgeschrittene Standpunkt, den in dieser Beziehung dieneuere realistische Ethik gegenüber ihrer empiristischen Vorläuferineinnimmt, tritt augenfällig darin zu Tage, dass, während sich dieletztere durchweg in einem feindlichen Gegensätze zu jeder ArtMetaphysik befand, für die erstere ein solcher Gegensatz nicht noth-wendig ist. Ein sprechender Zeuge für dieses Verhältnis ist Her-bart. Freilich zeigt sich auch bei ihm das Streben, mindestensdie Ethik selbst unabhängig zu machen von metaphysischen Voraus-setzungen. Er betont es geflissentlich, man könne seiner praktischenPhilosophie folgen ohne sich seine theoretische anzueignen und um-gekehrt. Zwar ist seine Metaphysik ebenfalls realistisch, ja er hatsich selbst gerade mit Rücksicht auf sie einen Vertreter des Realismusgenannt. Aber sie ist realistisch in einem ganz anderen Sinne alsdie Ethik: sie ist es in Bezug auf ihren Zweck, nicht in ihren Voraus-setzungen. Diese sind nicht der Wirklichkeit, sondern idealen Forde-rungen entnommen; ihr Zweck ist es aber, das reale Geschehen be-greiflich zu machen, und jedes Eingehen auf das Transcendente,z. B. auf den Gottesbegriff, wird daher nachdrücklich abgelehnt.Herbarts Ethik dagegen ist realistisch in ihren Voraussetzungen,nicht hinsichtlich ihrer Zwecke. Die Voraussetzungen werden denempirischen Verhältnissen des Willens entnommen; als sittlicherZweck aber wird die Verwirklichung gewisser Ideen betrachtet, dieaus jenen Willensverhältnissen entspringen, eine Verwirklichung diesich in der thatsächlichen Erfahrung niemals in völlig ungestörterWeise vollziehen kann.

Da nach Herbart das Wohlgefallen an Verhältnissen derallgemeine Charakter des Aesthetischen ist, so subsumirt er dieEthik der Aesthetik. Er hat darin eine gewisse Verwandtschaft mitShaftesbury. Doch ist die bestimmte Classification der als Objecteder Billigung auftretenden Willensverhältnisse, die Ableitungder sittlichen Ideen aus diesen Verhältnissen und endlich die Ab-leitung der sittlichen Systeme aus diesen Ideen Herbart eigen-