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Die neuere Ethik.
einzelnen sittlichen Persönlichkeit. Es ist klar, dass die sittlicheBeurtheilung eine andere werden muss, sobald man statuirt, dassStaat, Gesellschaft, Geschichte nicht Mittel für die Zwecke des Ein-zelnen, sondern dass sie Selbstzwecke sind, dass es auch für sieein selbständiges Ethos gibt, dem gegenüber die Einzelnen als die-nende Hülfsmittel erscheinen.
Diese Frage angeregt zu haben, muss als ein hohes Verdienstdes nachkantischen Idealismus, und ganz besonders Hegels, bezeichnetwerden, als ein Verdienst, welches zugleich manche Schwächen des-selben, wie seine Ueberhebung gegenüber den Einzelwissenschaften,den nichtigen Formalismus seiner dialektischen Methode, einiger-massen vergessen lässt. Ob aber freilich diese Anschauung nichtselbst ihr Ziel überholt, indem für sie die individuelle Seite der Sitt-lichkeit allzu sehr verschwindet, dies ist eine andere, wohl aufzu-werfende Frage. Spinoza, dessen ganze Weltanschauung von reli-giösen Bedürfnissen getragen war, hatte das Sittliche mit der sub-jektiven religiösen Versenkung in die Idee des Absoluten verschmolzen.Dadurch war es bei ihm ein durchaus innerlicher Vorgang geworden.Bei Hegel fällt es mit der objectiven historischen Entfaltung desAbsoluten zusammen. Es ist aber zugleich so sehr aufgegangen indem Historischen und Thatsächlichen, dass der ethische Werthunter-schied zwischen den verschiedenen Bestandtheilen des wirklichen Lebensvöllig zurücktritt. Insbesondere leidet an dieser Erhebung des Ver-gänglichen, durch vorübergehende geschichtliche Einflüsse Bedingtenin das Reich der absoluten Vernunft Hegels Construction des Staates,welche den abstracten Beamtenstaat der Restaurationszeit mit seinenleeren, des Zusammenhangs mit der lebendigen Entwicklung des Volks-geistes entbehrenden Verfassungsformen zum Urbild des Staates über-haupt macht.
Wenn Hegel selbst die Einzelnen als die Träger einer allge-meinen Weltvernunft betrachtet, so kann man daher mindestens vonseinem eigenen System sagen, dass es der Träger verbreiteter Zeit-ideen gewesen ist. Dies bestätigt auch die Thatsache, dass eineReihe gleichzeitiger Denker, die freilich in manchen Voraussetzungenvon Hegel abweichen, mit ihm in der Sittlichkeit die Bethätigungeiner allgemeinen Weltvernunft erblicken und auf die Gestaltungendes sittlichen Lebens in Staat und Gesellschaft den höchsten Werthlegen.