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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Fichte.

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liehe Stufe dann erreicht, wenn er nur noch um der Pflichtwillen handelt, nicht sich seiner That freut, sondern sie kaltbilligt. „In Handlungen nennt man das so gebilligte recht, inErkenntnissen wahr“*). Spinoza, Kant und der Intellectualismussind hier zur Einheit verschmolzen. Fragt man aber, was denn dasRechte sei, so lautet die Antwort: was du unmittelbar in deinemGewissen als Pflicht erkennst; ein kategorischer Imperativ, beiwelchem die Formulirung eines Sittengesetzes von bestimmtem Inhaltvermieden ist. Nur dies wird noch hinzugefügt, dass Vernunft undWille, die auch in diesem System eins mit einander sind, uns Zu-rufen, die Welt sei das Material unserer Pflicht, das wir strebensollen zu einer sichtbaren Gestaltung des Sittlichen zu machen. Indiesem Streben bethätigen wir uns schöpferisch und sind wir selbstein Theil des Ganzen, das wir die sittliche Weltordnung nennen,und das für Fichte mit Gott zusammenfällt. Mehr und mehr hatFichte in seinen späteren Darstellungen dies Allgemeine hervor-gehoben und dagegen den endlichen Willen zurücktreten lassen, bissich ihm schliesslich die wirkliche Welt in die Realisirung einesUeberwirklichen verwandelte, in welcher die Schranken der Vielheitund Zeitlichkeit immer mehr aufgehoben werden, und welche imEinzelnen als Liebe zur Menschheit sich äussert. Princip desSittengesetzes ist nun die Anschauung Gottes, und dieser ist gleich-zeitig dessen Endzweck und Verwirklichung**).

So gehen in den Ansichten dieses Denkers zwei Wandlungen,eine metaphysische und eine ethische, Hand in Hand. Sein Idealis-mus, anfangs von stark subjectivem Gepräge, nimmt eine pantheistischeund zugleich religiöse Form an; sein Moralprincip, ursprünglich indivi-dualistisch, die Gesammtheit den Zwecken des Einzelnen dienstbarmachend, lässt mehr und mehr das Individuum in einer allgemeinenVernunftentwicklung verschwinden. Diese Wandlungen haben sichso allmählich und stetig vollzogen, dass Fichte mit einem gewissenRechte behaupten konnte, seine Philosophie sei immer dieselbe ge-blieben. In dem Wechsel der Anschauungen des einzelnen Philo-sophen spiegeln sich aber auch hier allgemeinere geistige Strö-mungen. Für die Ethik bezeichnet Fichte den Uebergang aus demIndividualismus und Subjeetivismus des vorigen Jahrhunderts zu eineruniversaleren Lebensanschauung, welche zugleich auf die objectiven

*) System der Sittenlehre, S. 167.

**) Die Thatsachen des Bewusstseins, 1813, Werke, II, S. 652 i