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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Kant.

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dämonismus und seinem Streben nach völliger Trennung des Sitt-lichen vom Sinnlichen Ausdruck zu geben.

So nimmt Kant eine eigenthümliclie Mittelstellung ein zwischendem weltlichen und theologischen Utilitarismus seiner Zeit. Demersteren gehören durchaus die Einzelausführungen über die Anwendungdes Sittengesetzes an. Nach dem letzteren gravitirt der Gegensatz,in den er das Pflichtgebot zu der natürlichen Neigung bringt, undder transcendente Eudämonismus, die Aussicht auf ein übersinnlicheshöchstes Gut, der sich damit verbindet. Kant allein angehörig istdagegen die formale Apriorität des kategorischen Imperativs, die anseiner eigenen Erkenntnisstheorie ihre Anlehnungen findet. Dochindem diese formale zugleich eine transcendente Apriorität ist,die auf unsere übersinnliche Natur als ihre Quelle zurückweist,lehnt sie sich abermals an die theologische Utilitätsmoral, die demSittengesetz ebenfalls eine transcendente Natur zuschreibt, nur dasssie ihm gleichzeitig einen bestimmten Inhalt gibt und es aus einemdirecten göttlichen Gesetz ableitet. Diese Anlehnung vervollständigtsich durch Kants Religionsphilosophie, in welcher er die Zurück-führung des Sittengesetzes auf ein göttliches Gebot als eine be-rechtigte Betrachtungsweise anerkennt. Nur kehrt das Causal-verhältniss zwischen dem Sittengesetz und der Gottesidee bei ihmsich um. Wir sollen das Sittengesetz nicht darum als ein unbedingtverpflichtendes achten, weil es von Gott gegeben ist, sondern wirsollen es als ein göttliches Gesetz achten, welches uns selbst dieWahrheit unseres Glaubens an Gott verbürgt, weil wir es als einunbedingt verpflichtendes in uns finden*). Diesen Beziehungen zurtheologischen Utilitätsmoral seiner Zeit entsprechen auch ganz seinereligionsphilosophischen Bestrebungen, eine Verwandtschaft seinereigenen Ethik mit bestimmten kirchlichen Lehren zu finden, wie mitdem Dogma der Erbsünde, der Rechtfertigung durch den Glauben, derErlösung durch Christus, ethische Umdeutungen kirchlicher Dogmen,in denen sich die ähnlichen Bestrebungen eines Leibniz, nur in einernoch mehr rationalisirten, nüchterneren Form, erneuern. Ebensobleibt seine Rechtslehre überall in den willkürlichen, ausschliesslichvon egoistischen Nützlichkeitserwägungen ausgehenden Constructionender Verstandesmoral seiner Zeit befangen**).

Trotz dieser Schwächen hat die Kantische Ethik einen tiefen

*) Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft S. 69.

**) Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre, Werke Bd. 9.Wundt, Ethilc. 2 . Aufl. 24