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Die neuere Ethik.
der Zeit beharrenden Wahrnehmungen dem Begriff der Substanz.Denn indem das Sittengesetz so zu handeln gebietet, wie es zu einerallgemeinen Gesetzgebung erforderlich ist, stellt es eine Frage, dieerst beantwortet werden muss, bevor wir es auf irgend einen Er-fahrungsinhalt anwenden können. Welche Beschaffenheit der Hand-lung ist zu einer allgemeinen Gesetzgebung geeignet? Kant sagt,es sei an und für sich klar, dass ich z. B. ein allgemeines Gesetz zulügen nicht wollen könne, weil man mir dann mit gleicher Münzebezahlen und also auch mir selber nicht glauben würde, oder dasswir ein allgemeines Princip der Lieblosigkeit verwerfen müssen, weilsich sonst Jeder selbst die Hoffnung auf den Beistand den er wünschtentziehen würde *). Sind demnach diese Antworten Resultate einerwenn auch noch so einfachen Reflexion, dann ist das Sittengesetzoffenbar kein Formprincip mehr, welches unmittelbar und a prioriauf den empirischen Inhalt der Handlungen angewandt werden kann,sondern diese Anwendung setzt in jedem einzelnen Falle eine em-pirische Ueberlegung über die allgemeine Durchführbarkeit einer be-stimmten Handlungsweise voraus. Dann aber wäre es unvermeidlich,dass bei einer solchen der Anwendung des Sittengesetzes voraus-gehenden Reflexion stets das Wohl und Wehe des eigenen Ich zumMassstab für die Möglichkeit einer allgemeinen Gesetzgebung ge-nommen würde. So gehören denn auch Kants vorhin erwähnteAusführungen im einzelnen dem egoistischen Utilitarismus an. Inder Verallgemeinerung jener Anwendungen lässt jedoch Kant dieegoistische Motivirung nicht nur bei Seite, sondern er behauptetsogar, nicht die Rücksicht auf den eigenen Vortheil, sondern diereine Achtung vor dem Sittengesetz bestimme die pflichtgemässeHandlung. Die Begründungen im einzelnen zeigen offenbar, dass,sobald die Reflexion über die Endzwecke der sittlichen Handlungenlediglich vom Standpunkte des Individuums ausgeht, der egoistischeUtilitarismus die fast unvermeidliche Folge ist. Da Kants eigenenethischen Bedürfnissen diese Folgerung widerstrebte, so hoffte er ihrzu entgehen, indem er das Sittengesetz so abstract fasste, dass derUtilitarismus hinter der Idee einer „allgemeinen Gesetzgebung“ sichverbarg, und die affectlose Hingabe an diese in der That wenig zurErzeugung von Affecten geeignete Idee war ihm nun eine will-kommene Hülfe, um seiner Abneigung gegen jede Art von Eu-
: ) Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, S. 48.