Kant.
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Beweis kann auch Kant nickt auskommen. Einerseits beweist ihmdie aus der subjectiven Apriorität der Anschauungsformen und Be-griffe hervorgehende Thatsache, dass sich alle unsere Erkenntniss aufErscheinungen beziehe, die Notkwendigkeit der Voraussetzungeines Dinges an sich, einer intelligibeln Welt; und anderseits liegtihm in der Allgemeingültigkeit des Sittengesetzes der Beweis fürdie Autonomie des Willens. Die Prämisse dieses Beweises,dass nämlich das Sittengesetz eine unbedingt verpflichtende Normsei, hat Kant allerdings nicht bewiesen, sondern vorausgesetzt; under würde das kaum gethan haben, hätte er nicht einerseits eine gesetz-gebende Macht angenommen von welcher jene Norm herrühre, undanderseits dem Willen die Freiheit zugeschrieben ihr zu folgen. Diebeiden Hauptfolgerungen, die Kant aus dem Sittengesetz ableitet,gehen also der Annahme desselben voraus.
Indem gleichwohl nach Kants eigener Ansicht das in der früherenMetaphysik statuirte Verhältniss zwischen den transcendenten Ideenund dem Sittengesetz sich umkehrt, da nicht mehr dieses aus jenen,sondern jene aus diesem abzuleiten sind, so kann auch nicht mehr,wie bei Plato, die Sinnenwelt als ein Abbild der Ideenwelt oder gar,wie bei Spinoza und den meisten neueren Metaphysikern, als einTheil des unendlichen Seins derselben aufgefasst werden, sondernSinnen weit und Ideenwelt bleiben einander durchaus fremd. Kantist in seiner theoretischen wie in seiner praktischen Philosophiebemüht, nachdrücklich auf die Kluft zwischen beiden hinzuweisen:dort indem er hervorhebt, dass für das Ding an sich unsere An-schauungen und Begriffe keine Geltung besitzen, hier indem er dasSittengesetz von allen sinnlichen und überhaupt empirischen Motiven,insbesondere auch von unseren eigenen Affecten unabhängig macht,so dass er mit Spinoza und den Stoikern das Wohlwollen nichtals eine sittliche Triebfeder anerkennt und die pflichtgemässe Hand-lung, die aus Neigung zur Pflicht geschieht, für minderwerthighält*). Ja es gibt für Kant überhaupt keine sittliche Neigung, dader sinnliche Mensch nur aus egoistischen Motiven handeln würde.Gerade darin, dass sie mit Widerstreben gethan wird, besteht ihmder sittliche Werth der pflichtgemässen Handlung. So kommt Kantzu einer Verachtung der Sinnlichkeit, in der er den Platonismus,und zu einem Rigorismus, in dem er den Stoicismus überbietet. Diesist aber die nothwendige Folge jenes Bemühens, das Sinnliche und
') Grundlegung der Metaphysik der Sitten, 2. Absehn., S. 36 ff.