Kant.
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erfüllt: darum die von ihm so eifrig betonte Beschränkung der Er-kenntniss auf die Erfahrung und die Hervorhebung, dass die tran-scendenten Ideen das Recht, das ihnen als Ergebnisse der theoretischenVernunft bestritten werden müsse, als Postulate der praktischen umso sicherer gewinnen dürften*). So stehen wir hier bei diesemZerstörer der aus dem Platonismus hervorgegangenen Metaphysikeiner ähnlichen Erscheinung gegenüber wie bei den Begründernderselben. Platos Ideenlehre war entsprungen aus ethischen For-derungen und Wünschen, und bei den Entwicklungen der späterenMetaphysik hatten sich diese überall als mitthätig erwiesen. KantsKritik aller Metaphysik ist nicht minder von ethischen Forde-rungen getragen; nachdem jene metaphysischen Stützen der Ethiksich als unbrauchbar erwiesen, zieht er es aber vor, sie ganz undgar zu beseitigen. Die englische Moralphilosophie schon hatte dieEthik von Theologie und Metaphysik unabhängig gemacht, und siehatte sie demnach auf Principien der Erfahrung, theils auf das Principdes Nutzens theils auf das der Sympathie, gegründet. Kants Eigen-tümlichkeit liegt nun darin, dass er sich in Bezug auf den erstenSchritt den englischen Ethikern anschliesst, nicht aber in Bezug aufden zweiten. Hier vielmehr bleibt er den Voraussetzungen der Plato-nischen Ethik treu: die sittlichen Ideen haben keinen empi-rischen, sondern einen übersinnlichen Ursprung.
Diese Stellung ist natürlich nur haltbar, wenn er eine tiefeKluft errichtet zwischen den Principien der Erfahrungserkenntnissund den Quellen des sittlichen Bewusstseins. Unsere Erfahrungser-kenntnisse, die Formen unserer Anschauung und unseres begrifflichenDenkens sind durchaus beschränkt auf die sinnliche Welt. Aberwir finden in uns zugleich die Idee einer übersinnlichen Welt, derenRealität dadurch nicht aufgehoben wird, dass die Werkzeuge jenerErfahrungserkenntniss nicht an sie heranreichen. Im Gfegentheil,Kant ist der Ansicht, dass schon die Erfahrung selbst nicht nur dieMöglichkeit eines solchen hinter ihr stehenden übersinnlichen Seinsoffen lasse, sondern in gewissem Sinne sogar zur Forderung desselbengelange, indem aller Erfahruugsinhalt als Erscheinung von unsaufgefasst werde, die Erscheinung aber hinweise auf ein Ding ansich, d. h. auf ein von unseren subjectiven Anschauungs- und Denk-formen unabhängiges und darum für uns schlechthin transcendentes
*) Kritik der reinen Vernunft, Anhang zur transcend. Dialektik, Ausg.von Rosenkranz, S. 499 ff. Kritik der prakt. Vernunft, Vorrede, S. 108.