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Die neuere Ethik.
Hauptwerk sichtlich von dem Streben erfüllt für eine solche neueBegründung der Ethik Raum zu schaffen, und die Ueberzeugungverbirgt sich nicht, dass dies um so besser gelingen werde, je mehrdas vermeintliche Wissen der dogmatischen Metaphysik als ein trü-gerisches aufgezeigt und die nothwendige Einschränkung alles Wissensin die Grenzen der Erfahrung erwiesen sei.
Kant selbst hat es bezeugt, dass die Lectüre Humes einentiefen Eindruck auf ihn gemacht hatte*). Hume hatte aber schonmit unerbittlicher Logik die Sophistik des ontologischen Gottes-beweises blossgelegt und auf jede theologische Begründung seinerMoral verzichtet. Kant konnte sich dem Scharfsinn der Hume’schenAusführungen nicht entziehen; anderseits aber stand es ihm ebensofest, dass die von Hume gegebene empirische Ableitung aus derSelbstliebe und Sympathie nicht ausreiche, um den Thatbestand dessittlichen Gewissens zu begründen. Dies reifte in ihm den Planeine idealistische Ethik im Platonischen Geiste aufzurichten, abermit Beseitigung aller jener Stützen einer transcendenten Welt- undGotteserkenntniss, deren Plato und die auf ihn gefolgte christlicheEthik ebenso wie die neuere Metaphysik sich bedient hatten. Jemehr es ihm darauf ankam zu zeigen, dass der ethische Standpunktdes Platonismus dieser Stützen nicht bedürfe, um so sorgfältiger warer bemüht das Werk Humes gründlich zu Ende zu führen und,selbst gross geworden in den Gedanken des dogmatischen Rationa-lismus, dieselben auf allen ihren Schleichwegen zu verfolgen, umdie schliessliche Ergebnislosigkeit dieser Versuche darzuthun. Inder Vorrede zur zweiten Auflage der Kritik hat Kant ausdrücklichhervorgehoben, er habe „das Wissen aufheben müssen, um zumGlauben Platz zu bekommen“ **). Denn jener falsche Dogmatismusder Metaphysik erschien ihm zugleich als die wahre Quelle „allesder Moralität widerstreitenden Unglaubens“, der seinerseits „garsehr dogmatisch“ sei.
So ist es also von vornherein die ausgesprochene Tendenz Kants,die seitherige metaphysische Basis der Ethik zu beseitigen, um ihreine andere von metaphysischen Lehren unabhängige und darum umso festere Grundlage zu geben. Seine ganze Kritik der seitherigenMetaphysik und seine eigene Erkenntnisslehre wird von diesem Streben
*) Prolegomena zu jeder künftigen Metaphysik, Einleitung, Ausg. vonRosenkranz, S. 5 ff.
**) Ausg. von Rosenkranz, S. 679.