Leibniz.
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Bei Spinoza war dieses Moment der Entwicklung völlig zurück-getreten. Wie sein Substanzbegriff ein ruhendes Sein mit unver-änderlichen unendlichen Eigenschaften ist, so kennt seine Ethikzwar den Mangel, das Leiden, die inadäquate Erkenntniss, als Gegen-sätze der Kraft, der Thätigkeit und der vollkommenen Erkenntniss,aber diese Gegensätze bleiben unvermittelt; der Gedanke liegt fern,dass das Mangelhafte selbst allmählich zum Vollkommenen sichentwickele. Leibniz’ Philosophie ist das erste ethische System, aufwelches wir den Namen des Perfe ctionismus anwenden können.Die Idee der Vervollkommnung ist es denn auch, die unter allenseinen Gedanken am meisten und fruchtbarsten auf die Folgezeiteingewirkt hat. Die nächste Ausbildung derselben erfolgte durchW o 1 f f und seine Schule und durch die an letztere sich anschliessendedeutsche Aufklärungs- und Popularphilosophie des vorigen Jahr-hunderts.
d. Wolff und die deutsche Aufklärung.
Christian Wolff hat in der Ethik vielleicht noch weniger alsin andern Theilen der Philosophie eine selbständige Bedeutung.Dennoch hat er gerade hier das Verdienst, die zerstreuten Gedankenvon Leibniz gesammelt, zu einem systematischen Ganzen verarbeitetund auf die verschiedenen Lebensgebiete angewandt zu haben. Wie-wohl das mit einer Breite und Ausführlicheit geschieht, die ganzbesonders die moralischen und rechtsphilosophischen Werke Wolffsfür uns heute zu einer kaum geniessbaren Lectüre machen*), sohat er doch dadurch auf seine Zeit mächtig eingewirkt, und ihmist es hauptsächlich zu danken, wenn der Leibniz’sche Perfectionismusdas Grundthema der deutschen Moralphilosophie des vorigen Jahr-hunderts geworden ist. Nicht bloss die eigentlichen Jünger seinerSchule, sondern auch die Gegner des Leibniz-Wolff’schen Systemsund die eklektischen Popularphilosophen, auf die gleichzeitig dieLocke’sche Philosophie einen Einfluss gewann, entfernen sich geradein den ethischen Fragen am wenigsten von der durch Leibniz er-öffneten Bahn.
Dabei treten jedoch zum Theil schon bei Wolff und noch mehr
*) Das Wesentliche findet sich übrigens in den kürzeren deutschenWerken: Vernünftige Gedanken von der Menschen Thun und Lassen, 6. Aufl. 1739.Vern. Gedanken von dem gesellschaftlichen Leben der Menschen, 4. Aufl. 1736.