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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Leibniz.

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Welt unter allen möglichen die beste ist, folgt ihm aus der unend-lichen Güte und Vollkommenheit Gottes. Wenn gleichwohl dasBöse in ihr vorkommt, so ist dies demnach ein Beweis, dass eineWelt ohne Uebel überhaupt unmöglich war, und er sucht dies theilsdurch den Hinweis darauf, dass das Gute erst durch den Contrastmit dem Bösen seinen Werth gewinne, theils durch die Bemerkung,dass das Böse nicht selten ein Hülfsmittel zur Erreichung des Gutensei, begreiflicher zu machen, — Gedanken, die übrigens längst inder scholastischen Philosophie zu ähnlichen Zwecken gedient hatten.Näher liegt seinem eigenen Philosophiren die Idee, dass das Böseein Mangel, der Mangel aber ein nothwendiger Bestandtheil jederEntwicklung sei. So kann auch auf sittlichem Gebiet das Voll-kommene sich nur entwickeln, indem es allmählich aus dem Unvoll-kommenen hervorgeht*). Künstlicher noch sind Leibniz’ Bemühungen,Gott von der directen Hervorbringung des Bösen zu entlasten. Ersoll es nicht geschaffen, sondern nur zugelassen haben als ein noth-wendiges Uebel; er sei dessen causa deficiens, nicht efficiens, wiederein Kunstgriff den er dem Apparat der Scholastik entnimmt, undder nur die Unmöglichkeit an den Tag legt, das Sittliche auf Gottzurückführen zu wollen, ohne dass man ihn auch gleichzeitig zumUrheber des Unsittlichen macht**). Mit diesen Ausführungen innahem Zusammenhang stehen Leibniz’ sonstige, zumeist scholastischeArgumentationen in erneuter Form wiederholende Accommodations-bestrebungen an die kirchlichen Lehren, seine Unterscheidung desUebervernünftigen vom Widervernünftigen zum Behuf der Erklärungdes Wunders und seine mannigfachen andern Versuche, specifischchristliche Dogmen mit seiner Philosophie in Einklang zu bringen.

Weit wichtiger ist ein dritter Punkt, in welchem sich Leibnizvon Spinoza scheidet, in welchem aber ebenso sicher seine Ethikder des letzteren überlegen ist, wie sie in jenen Versuchen, demAbsoluten sittliche Eigenschaften zuzuschreiben die der menschlichenErfahrung entlehnt sind, hinter ihr zurückbleibt. Dieser letzte Punktsteht aber wieder mit seiner Metaphysik im engsten Zusammenhänge.Ebenso nämlich wie Spinozas Substanzlehre den Gedanken der Ent-wicklung nicht kennt, ebenso erfüllt ist die Monadologie von diesemGedanken. Das Ganze der Welt bildet eine Stufenfolge von Ent-wicklungen, welche von der niedersten bis zur höchsten der Monaden

*) Theodicee, part. II, p. 539 ff.

**) Ebend. p. 547.