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Die neuere Ethik.
Einheit und Unendlichkeit alles Seienden, diesem ist sie das absolutselbständige Einzelwesen, und erst die Unendlichkeit der Monadenin ihrer continuirlichen Abstufung von der niedersten zur höchstenVollkommenheit bildet das Ganze der Dinge*). Dieser Gegensatzhat aber zweifellos religiös-ethische Motive, so wenig dieselben zu-nächst bei der philosophischen Begründung hervortreten. Spinozasreligiöses Gefühl ist ganz Hingebung an Gott; in diesem Gefühlverschwindet jeder Gedanke an die Selbständigkeit des Einzelnen.Seine Gottesvorstellung ist aber so sehr erfüllt von der Idee abso-luter Unendlichkeit, dass ihm das Streben fern liegt, Prädicatedie dem Gebiet des endlichen und beschränkten Erkennens ent-nommen sind, wie das der Persönlichkeit, auf die Substanz zuübertragen. Wie die Gegensätze des Guten und Bösen in Gott ver-schwinden, so hat auch die Vorstellung der persönlichen Individualität,die ganz und gar dem inadäquaten Erkennen angehört, weil sie unseine individuelle Selbständigkeit vortäuscht die an sich nicht existirt,für ihn keine Geltung. Für Leibniz’ individualistische Substanzlehredagegen ist es nicht nur möglich sondern selbst nothwendig, denCharakter der Persönlichkeit und damit alle, jene weiteren Prädi-cate Gott beizulegen, welche ihm in der religiösen Vorstellung zu-kommen. Er ist der Weltschöpfer und Weltlenker, er ist insbesondereauch der Schöpfer und Erhalter der sittlichen Weltordnung, und vondieser allgemeinen Vorstellung aus wird es dem Philosophen nichtschwer, auch gegenüber den einzelnen kirchlichen Dogmen eine be-freundete Stellung einzunehmen**).
Trotz dieses Gegensatzes in den metaphysischen Grundanschau-ungen treffen aber beide Philosophen in gewissen Voraussetzungenihrer ethischen Ansicht zusammen, Voraussetzungen zu welchen frei-lich die metaphysische Ethik als solche hinneigt. Die erste istder Determinismu s. Auch für Leibniz fliessen alle Vorstellungenund alle Willensacte des Einzelwesens mit Nothwendigkeit aus dessenursprünglicher Natur hervor, und ebenso leugnet er mit Bezug aufGott gerade im Hinblick auf die Sittengesetze, dass er eine andereWeltordnung hätte hervorbringen können als die, welche wirklichgeworden ist ***). Er sucht zwar, sichtlich bestrebt sich der religiösenVorstellung anzupassen, diese Anwendung des Determinismus zu mil-
*) Leibniz. Opera philos. ed. Erdmann, p. 376, 705, 714.
**) Opp. ed. Erdmann, p. 411, 463, 532 seq., 708, 716.
***) Theodicee, opp. ed. Erdmann, p. 513 seq. Nouv. ess., liv. II, chap. 21,ebend. p. 249.