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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Spinoza.

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abhängig von diesen zum Theil auf einem falschen Schein beruhendenYorurfcheilen die ethische Richtung Spinozas sich mit der herrschendenStrömung der Zeit unsympathisch berührte. Für diese war im Grundejene Ethik allzu religiös. In ihrer ausschliesslichen Richtung aufGott vernachlässigte sie alles was man, ohne damit freilich auf eineUehereinstimmung namentlich mit den frühesten Gestaltungen derchristlichen Ethik Anspruch machen zu können, „werkthätigesChristenthum“ nannte. In dieser Hinsicht stand Spinozas einseitigbeschauliche Richtung in nahem Zusammenhang mit der vereinsamtenLebensstellung des jüdischen Denkers, den seine eigene Religions-gemeinschaft verstossen hatte, ohne dass er sich entschliessen konnteeiner andern beizutreten. So bildet denn auch der Mann, dessenBemühen darauf gerichtet ist eine ethische Weltanschauung auf-zurichten, die in allen jenen Beziehungen dem vermeintlichen Atheis-mus Spinozas entgegentreten sollte, in seinem Charakter wie in seineräusseren Lebensstellung den vollen Gegensatz zu ihm.

c. Leibniz.

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Von allen Strömungen des öffentlichen Lebens und der wissen-schaftlichen Bewegung der Zeit berührt und vielfach selbstthätig indieselben eingreifend hat Leibniz nirgends ein Hehl daraus ge-macht, dass es ihm darum zu thun sei, mit seinem System so weitals möglich allen berechtigten Bedürfnissen entgegenzukommen; in-sonderheit aber wünscht er die Philosophie mit der Theologie zuversöhnen, und er würde das höchste Ziel seines Strebens erreichtsehen, wenn es ihm gelänge, wie er sich in allzu kühnen Hoffnungenschmeichelt, auf dem Boden seiner eigenen Philosophie die feindlichenchristlichen Kirchen und Confessionen zu vereinigen. Diese Accommo-dationsbestrebungen dürfen bei der Beurtheilung seiner Philosophienicht übersehen werden. Sie machen ihn bei aller Genialität zueinem Eklektiker, der mit jedem Eklekticismus den Mangel theilt,dass sich vielfach widerstreitende Elemente bei ihm vereinigt linden.Aber das eine hat Leibniz mit Spinoza gemein: seine Ethik ruhtganz auf seiner Metaphysik, und im letzten Grunde wird diese wiedervon ethischen Postulaten geleitet.

Der metaphysische Gegensatz zwischen beiden Denkern findetbekanntlich seinen Ausdruck in der gänzlich verschiedenen Fassungdes Substanzbegriffs. Spinoza fasst denselben pantheistisch,Leibniz individualistisch. Jenem ist die Substanz die absolute