Spinoza.
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können wir nur noch von dieser klaren Erkenntniss bestimmt werden.Sobald wir inadäquate Vorstellungen bilden, so werden wir vonleidenden Affecten beherrscht, von solchen Zuständen unseres Körpersund unserer Seele, die nicht in uns selbst, sondern in äusseren Gegen-ständen ihre Quellen haben. Auf diese Weise nimmt bei Spinozadas Sittliche eine doppelte Form an: auf der einen Seite fällt eszusammen mit dem adäquaten Erkennen, auf der andern mit demthätigen Afifect. Diese beiden Seiten treffen aber wieder nothwendigzusammen. Der leidende Affect hört auf ein Leiden zu sein, sobalder in seinem Wesen klar erkannt wird. Für den Menschen, der zurStufe der klaren Erkenntniss vorgedrungen ist, gibt es daher keinLeiden und keinen Schmerz mehr. Er weiss, dass er selbst eins istmit dem unendlichen Wesen, dass die Affectionen seines Körpersund seiner Seele nur Modificationen dieses unendlichen Wesens sind,und dass die Liebe zu den irdischen Dingen nur eine Modificationder höchsten Liebe, der Liehe zu Gott ist. Die Gotteserkenntniss,als die höchste Form des Erkennens, ist daher nothwendig zugleichverbunden mit dem höchsten und beseligendsten der Affecte, mit derintellectuellen Liebe zu Gott, welche, bildlich gesprochen, ein Th eilder unendlichen Liebe ist, mit der Gott sich selber liebt. Es gibtin der Natur nichts was dieser Liehe entgegen ist oder sie aufhebenkönnte; denn sie folgt aus der eigenen Natur der Seele und ist somitder thätige Affect, der sich unmittelbar mit der Selbsterkenntniss derSeele verbindet. Tugendhaft handeln ist nach der Leitung der Ver-nunft handeln. Diese Tugend bedarf keines Lohnes, denn sie istselbst ihr eigener Lohn, indem sie mit der auf der Vernunft be-ruhenden höchsten Selbstzufriedenheit und mit der Liebe zu Gottverbunden ist, in welcher allein die Seligkeit besteht. Die Tugendist ferner nicht das Resultat der Zügelung sinnlicher Triebe, sondernsie verleiht umgekehrt uns die Macht, die Triebe zügeln zu können*).
Indem auf diese Weise bei Spinoza Selbsterkenntniss und Gottes-erkenntniss zusammenfallen, auf der Gotteserkenntniss aber Tugendund Seligkeit beruhen, verschwindet für ihn völlig die Bedeutung derwerkthätigen und socialen Tugenden. Zwar das Gute, was der Tugend-hafte für sich begehrt, wünscht er auch den übrigen Menschen. Aberder Einzelne handelt doch nur für sich und zu eigenem Nutzen, under unterliegt den leidenden Affecten, wenn er sich durch das WohlAnderer in seinem Handeln bestimmen lässt. Tugendhaft sein, der
: ) Ethica, IV, Defin. Prop. 1. Etliica, V, Prop. 1, Scliol. 36—42.