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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Spinoza.

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diesen Titel mit Absicht gewählt hat, um die ethischen Problemeals diejenigen zu bezeichnen, auf welche er selbst den grössten Werthlegt. Seine Metaphysik und Erkenntnisslehre sollten nur die Hülfs-mittel und Vorbereitungen für die Gewinnung der ethischen Welt-anschauung sein, welche das Gebäude seines Systems krönt*). Abernoch in einer anderen, wohl von dem Verfasser nicht beabsichtigtenBeziehung ist der Titel bezeichnend für dessen Tendenz. Die Ethikist nicht bloss das letzte Ziel des Werkes, sondern die ethische An-schauung, in die es ausläuft, ist im Grunde selbst schon dieQuelle des Metaphysischen in ihm. Nächst der Platonischen Philo-sophie gibt es vielleicht keine zweite, die in so hohem Grade dieSpuren des Ursprungs aus ethischen Bedürfnissen an sich trägt wiedie Spinozas. Hier wie dort sind die metaphysischen Probleme mitden religiösen identisch. Der Gottesbegriff bildet den Angelpunktbeider Systeme: die Philosophie, wie sie von Plato und von Spinozaverstanden wird, ist rationalisirte Religion. Darum erscheint an derStelle der religiösen Gottesvorstellung dort die Idee des Guten, hierder Begriff der Substanz. Während aber Plato die mythischen Be-standtheile des religiösen Bewusstseins nie ganz dialektisch zu assi-miliren vermochte, ist Spinozas Philosophie ganz und gar rationalisirteReligion. Kein Rest phantastischer Vorstellung ist mehr übrig ge-blieben. Nur in dem einen Punkte klingt die religiöse Beziehungnoch an, dass die Identität der Substanz mit dem Gottesbegriff hervor-gehoben wird. Aber freilich, grundverschieden ist diese rationalisirteReligion von der des aufgeklärten Deismus eines Locke und seinerSchule. Während letzterer mit Absicht die mystischen Tiefen desreligiösen Denkens zuschüttet, um eine oberflächliche Verstandes- undUtilitätsmoral als das Wesen der religiösen Offenbarung übrig zubehalten, ist es gerade der mystische Inhalt des Gottesbegriffs unddes religiösen Gefühls, welchen Spinoza in die Form verstandes-mässiger Erkenntniss überzuführen unternimmt.

Waren schon die unmittelbaren Nachfolger Descartes’ der Auf-hebung des bei ihm noch vorwaltenden indeterministisch -nomina-listischen Standpunktes entgegengeführt worden, so ist bei Spinozaderselbe vollständig in sein Gegentheil umgewandelt: bei ihm herrschtüberall das Princip innerer Nothwendigkeit. Gott als das in sichselbst bestehende unendliche Sein ist nicht nur selbst nothwendig,

*) Vgl. hierzu den Eingang des Tractats De intellectus emendatione.Opp. ed. Bruder. Vol. II, p. 7 seq.