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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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346
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34(J Die neuere Ethik.

Malebranche auseinander. Die Function des Verstandes ist Gott zuerkennen, die Function des Willens Gott zu lieben. Wie die einzelnenDinge für uns nur Hülfsmittel sein sollen für die Gotteserkenntniss,so sollen wir auch gegen einzelne Dinge, gegen unsere Neben-menschen, nicht Liebe im eigentlichen Sinne, sondern nur Wohl-wollen und Achtung empfinden, insofern wir in ihnen, wie in unsselbst, Geschöpfe Gottes erblicken. So wird hier der CartesianischeIndeterminismus nach seinen zwei Seiten hin in Frage gestellt, inBezug auf Gott wie in Bezug auf den Menschen; und der bei Des-cartes beginnende Versuch, das Sittliche als Resultat des Erkennenszu betrachten und gleichzeitig aus der Entwicklung der Affecte ab-zuleiten, ist zur Durchführung gelangt, indem beide Processe nunnicht mehr als einander widerstrebende Kräfte, sondern als ver-schiedene Seiten eines und desselben Vorgangs erscheinen. Die Er-ic enntniss Gottes vermittelt der Verstand, in der Liebe zu Gottbethätigt sich der Wille: beides aber ist untrennbar verbunden, dennwir können Gott nicht erkennen, ohne ihn zu lieben, und wir könnenihn nicht lieben, ohne ihn zu erkennen.

So steht in seiner Metaphysik wie in seiner Ethik Malebrancheschon fast völlig in dem Gedankenkreise der pantheistischen Lehre.Nur eines hindert ihn, den letzten Schritt zu wagen: er ist ausserStande, die Voraussetzungen aufzugeben, welche der Lehrgehalt derkatholischen Kirche ihm entgegenbringt. Jene Rationalisirung derchristlichen Ethik, die bei Descartes beginnt, bei Malebranche sichfortsetzt und mit dem Versuch der Restauration älterer theologischerLehren verbindet, wird nun durch Spinoza ihrer Vollendung ent-gegengeführt. So schafft er die erste metaphysische Ethik, die sichihres theologischen Ursprungs völlig entäussert hat. In dieser Be-ziehung vollbringt er für diese Richtung die nämliche Trennung, dieinnerhalb der englischen Moralphilosophie für die empirische, freilichnicht ohne mannigfache Rückfälle, schon Baco vollzogen hatte.

b. Spinoza.

Spinozas Ethik ruht ganz und gar auf dem Grunde seinerMetaphysik. In den ersten Theilen seines Hauptwerkes erscheintdie metaphysische Aufgabe, die Definition der Substanz und die dia-lektische Verarbeitung dieses Fundamentalbegriffes seiner Philosophieso sehr als die Hauptsache, dass der TitelEthik den Leser fremd-artig anmuthet. Erst der Schluss stellt heraus, dass der Philosoph