Descartes und der. Cartesianismus.
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des edelsten der Affecte, der D emuth, welche Geulinx als Tugendder Tugenden preist.
Einen Schritt weiter auf dieser Bahn geht Malebranche*).Indem er, den Occasionalismus erweiternd, jedes Geschehen in derNatur auf eine unmittelbare Wirksamkeit des göttlichen Willenszurückführt verschwindet ihm nicht bloss die absolute menschlicheWillensfreiheit, sondern auch dem göttlichen Willen werden be-deutsame Schranken auferlegt. Je mehr das willkürliche WirkenGottes mit der Naturordnung zusammenfällt, um so unaufhebbarermuss es erscheinen. Gott konnte, so lautet die theologische Formeldie diesen Gedanken zum Ausdruck bringt, die Welt erschaffen odernicht erschaffen, aber nachdem er beschlossen sie zu erschaffen, wareine andere Weltordnung ausser der vorhandenen nicht möglich. Istdoch diese nur eine Bethätigung des göttlichen Wesens, so dass sieebenso nothwendig wahr und absolut gut sein muss wie das gött-liche Wesen selber, das in der natürlichen Ordnung der Dinge,namentlich aber in der klarsten Idee, die wir von dieser natürlichenOrdnung besitzen, in der Idee des Raumes sich spiegelt.
Auch durch die Existenz des Bösen wird Malebranche an dieserAuffassung nicht irre. Gott hat die Sünde mit in die Weltordnungaufgenommen, weil er zugleich das Mittel besass sie wieder gut zumachen, und dieses Mittel, die Menschwerdung Christi, die Uebel,um deren willen es nothwendig wurde, an Werth überwog. Indiesen wie in anderen Ausführungen leben die Gedanken der älterenchristlichen Ethik wieder auf. Aber die rationalistische Strömungder Zeit lässt es zu der vollen mystischen Ausgestaltung des Begriffsder Sünde nicht kommen. Neben der Ableitung aus dem Sündenfallsteht die Cartesianische Auffassung derselben als einer Wirkung ge-trübter Erkenntniss, welche an die beschränkte Natur des Menschennothwendig gebunden sei. Von Gott ist der unwiderstehliche Zugnach ihm, dem vollkommenen Gute, in uns gelegt, aber unser mangel-haftes Wissen bewirkt es, dass wir untergeordneten Gütern nach-streben. Die Sünde ist daher nicht sowohl ein positives als einnegatives Uebel, eine Schwäche, deren Ueberwindung theils auf derKlarheit des Erkennens, theils auf der Kraft des Wollens beruht.Verstand und Wille, bei Descartes zusammenfallend, treten so bei
*) Entretiens sur la metaphysique et sur la religion. Oeuvres par JulesSimon, t. I. De la recherche de la verite, ebend. t. III et IV. Traite demorale, Paris 1707. Auszüge daraus gibt Bouillier, Histoire de la philos.Cartesienne, t. II, p. 68—75.