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Ethik : eine Untersuchung der Thatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens
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Die neuere Ethik.

dadurch hergestellt werden, dass die Affecte ganz verschwinden,sondern nur indem solche Affecte vorherrschen, welchen von vorn-herein die Eigenschaft zukommt, dass sie den Willen nicht unter-jochen können. Es gibt einen solchen Affect: es ist der desrein intellectuellen Interesses, der Bewunderung. Indemdieser Affect dem Willen die Richtung auf die Erkenntniss gibt,fördert er dessen Herrschaft über die anderen unedleren Alfecte.Während diese durch die Trübung des Erkennens und Wollens die Sitt-lichkeit gefährden, ist jener, sobald es ihm gelingt, die übrigen Alfectezu verdrängen, das hauptsächlichste Hülfsmittel der Sittlichkeit.

In dem Verhältniss, in welches Descartes die Bewunderung zuden andern AfFecfcen bringt, ist bereits der Versuch einer folge-richtigeren Gestaltung der emotionalen Seite seiner Theorie angedeutet.Zur Durchführung dieses Versuchs ist es aber bei ihm augenscheinlichdeshalb nicht gekommen, weil sein Indeterminismus des Willensals der obersten Instanz nicht entbehren konnte. Demgemäss voll-zieht sich die Weiterentwicklung dieser Anschauungen innerhalb desCartesianismus nach zwei Richtungen: erstens im Sinne einervollständigeren Begründung und psychologischen Motivirung durchdie Affectenlehre, und zweitens im Sinne einer Aufhebung des in-deterministischen Standpunktes.

Schon Arnold Geulinx wird durch die von ihm für dasVerhältniss von Körper und Seele aufgestellte occasionalistischeTheorie dem Determinismus um einen grossen Schritt näher geführt*).Werden die Vorstellungen in unserer Seele durch Gott erweckt ausAnlass bestimmter Vorgänge in unserem Körper, und werden dieBewegungen unseres Körpers von Gott gelenkt aus Anlass der ent-sprechenden Vorstellungen in unserer Seele, so sind wir selbst anSeele und Körper nichts anderes als Werkzeuge in der Hand Gottes.Eine unbedingte Willensfreiheit kommt nur noch Gott zu, nicht mehrdem Menschen, der, wenn er seine wahre Natur erkennt, seineneigenen Willen unterwirft dem göttlichen Willen. An sich gilt daherauch hier noch der Wille als frei, aber zugleich wird die völligeAufhebung desselben als Pflicht gefordert, und diese Aufhebung voll-zieht sich gleichzeitig in der Form der Erkenntniss und des Affects.Dort ist sie Resultat der wahren Einsicht in unsere eigene Naturund ihr Verhältniss zum göttlichen Wesen, hier ist sie Erzeugniss

*) Gnothi Seauton sive Ethica. Amstelod. 1709. Belegstellen daraus beiErdmann, Geschichte der neueren Philosophie, I, 2, Beil. S. ITT ff.