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Die neuere Ethik.
Zustände, die er von der herbeizuführenden neuen Cultur erwartet,als eine Art „Rückkehr zur Natur“ preist, so sind selbst hierinbeide Richtungen verwandter, als sie äusserlich scheinen. Beidevereint in der That nicht nur die revolutionäre sondern auch diestreng individualistische Tendenz, die Rousseau zum beredten Ver-theidiger des von Allen mit Allen geschlossenen Gesellschaftsvertragsund einer aus der Gleichheit der Rechte abgeleiteten absoluten Volks-souveränität macht.
2 . Die metaphysische Ethik des 17. und 18. Jahrhunderts.
a. Descai’tes und der Cartesianismus.
Während die englische Moralphilosophie, wenig berührt vonden philosophischen Systemen, die sich gleichzeitig in Frankreich,England und Deutschland entwickelten, ihre eigenen Wege ging undin ihren vorwaltenden Richtungen bemüht war, auf der Grundlageder empirischen Verhältnisse des sittlichen Lebens über die all-gemeinen Bedingungen desselben Rechenschaft zu geben, bewegtensich die herrschenden Strömungen der continentalen Philosophiedurchaus auf andern Bahnen. Aeusserlich zeigt sich dieser Unter-schied schon darin, dass hier die Ethik weniger als ein selbständigesGebiet behandelt wird wie dort, sondern dass sie durchweg im Diensteder Metaphysik steht. So tritt auch in dieser Beziehung die Meta-physik das Erbe der Theologie an. Innerlich aber wird diesesWecliselverhältniss nicht nur dadurch befestigt, dass sich Theologieund Metaphysik mit den nämlichen transcendenten Problemen be-schäftigen, sondern vielfach auch dadurch, dass die Metaphysik vonder vorangegangenen Theologie im allgemeinen und von einzelnenDenkrichtungen derselben im besonderen beeinflusst ist.
Diese Doppelstellung tritt augenfällig bei demjenigen Denkerhervor, der. die Entwicklung der neueren Metaphysik einleitet, beiDescartes. Weit mehr als aus seinen eigenen Ausführungen zusehen, hat er der scholastischen Speculation zu danken. Hinzu-gebracht zu diesen Elementen hat er aber die mechanische Welt-anschauung seiner Zeit, die er in seiner Affectenlehre auf die Psycho-logie überträgt. Neben ihr ist für die weitere Entwicklung der Ethikseine Lehre vom Willen und vom Verhältnis desselben zu denAffecten massgebend. In der Auffassung des ersteren ist er einSchüler des Nominalismus. Er ist Indeterminist und Intellectualist.